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Stephan Kockmann

Bücher-Tipps für Teefreunde

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Teekampagne 2016 und TeeGschwendner Pu Erh Tee

In dieser Woche sind drei Tees bei mir eingetroffen: Die Darjeeling-Ernte 2016 der Teekampagne und ein Pu Erh Tee aus dem TeeGschwendner Sortiment. Alle drei Tees möchte ich heute kurz vorstellen, wobei ich aktuell nur den Pu Erh auch verkostet habe.

Teekampagne Ernte 2016


Teekampagne Tees 2016

Der First Flush 2016 (die Frühjahrs-Ernte) ist schon länger erhältlich, inzwischen ist aber auch die etwas verzögerte Lieferung des Second Flush 2016 (Sommer-Ernte) eingetroffen. 250 Gramm des Tees kosten 9 Euro, ein Kilogramm 28 Euro.

Außerdem gibt es noch die sogenannten Gartentees, bei denen der Tee aus einem einzigen Teegarten stammt, also keine Mischung aus Pflückungen verschiedener Teegärten ist. Hier werden für 500 Gramm 17 Euro verlangt. Der First Flush Gartentee stammt in diesem Jahr aus dem Teegarten Pussimbing, beim Second Flush fehlt aktuell die Information, aus welchem Teegarten der Tee stammt. Die Gartentees habe ich bisher nicht vorliegen.

 

Oben im Bild ist links der "reguläre" First Flush, rechts der "reguläre" Second Flush der Teekampagne zu sehen. Außerdem waren noch zwei Teeproben in meinem Päckchen: Der Selected Darjeeling (ein Blend aus verschiedenen Ernteperioden) sowie der Grüne Darjeeling. Und wie gewohnt war auch die Aktenklammer zum Verschließen der Teeverpackungen und eine Visitenkarte mit Infos zur Teekampagne enthalten.

Das trockene Blatt der beiden Tees zeigt keine Auffälligkeiten und deutet in Duft und Beschaffenheit auf eine gute Qualität hin. Für preisbewusste Darjeeling-Teetrinker in meinen Augen eine gute Wahl. 

Pu Erh Teeproben von TeeGschwendner


Neugieriger war ich heute allerdings auf eine Teeprobe, die ich von TeeGschwendner bekommen habe. Dieser Tee ist daher heute in meinem Gaiwan gelandet.

Es handelt sich um einen sogenannten Pu Erh, also einen postfermentierten Tee. Über diese spezielle Art von Tee habe ich hier und hier schon einmal etwas geschrieben. Bei Pu Erh spricht man zu Recht von Fermentierung, da hier tatsächlich Bakterien für die Reifung des Tees verantwortlich sind. Bei so gut wie allen anderen Tees ist hauptsächlich die Oxidation, also eine Reaktion der Zellsäfte mit dem Sauerstoff der Luft, für die Geschmacksbildung und Färbung verantwortlich. Das ist ein ähnlicher Prozess wie bei einem aufgeschnittenen Apfel, der sich braun verfärbt.

Bakterien - das klingt für viele vielleicht unappetitlich, ist aber letztlich ein ähnlicher Reifungsprozess, wie er für die Produktion von Käse genutzt wird. Und so vergleiche ich Pu Erh auch gern mit Käse - es gibt geschmacklich milde Sorten und andere, die eher streng schmecken. So wie auch bei Käse der Geschmack vom milden, jungen Gouda über Blauschimmelkäse bis hin zum Harzer Roller reicht.

Diese Art von Tee war vor vielen Jahren schon einmal groß in Mode, weil man ihr positive gesundheitliche Wirkungen zusprach. Ob diese gesundheitlichen Wirkungen tatsächlich vorhanden sind, ist umstritten und scheinbar auch nicht weiter durch klinische Studien belegbar.

Mit der Zeit ist der Hype dann abgeklungen und Pu Erh fast wieder in Vergessenheit geraten. Das hat sicherlich auch mit dem oft sehr speziellen Geschmack dieses Tees zu tun: erdig, holzig, ledrig. Bei falscher Lagerung und Verarbeitung - und sicherlich aufgrund vieler schlecht gemachter Tees dieser Art - kann er auch schimmlig schmecken. Und nicht zuletzt werden gut gemachte und lang gelagerte Pu Erh mit den Jahren teurer und sehr hochpreisig gehandelt. Einer der wenigen Tees, die mit den Jahren an Qualität gewinnen können.

Beim von TeeGschwendner angebotenen Pu Erh (No. 576 - China Mannong Pu Erh) handelt es sich um einen Shu Pu Erh. Im Gegensatz zur sogenannten Sheng-Variante, die einem "natürlichen" Alterungs- und Reifungsprozess durch spezielle Lagerung unterzogen wird, helfen die Tee-Produzenten bei der Shu-Variante mit einem speziellen Verfahren nach. Durch dieses Verfahren reift der Tee schneller und erreicht schon nach wenigen Wochen oder Monaten ein Stadium, das ein Sheng Pu Erh erst nach vielen Jahren der Lagerung erreicht. So können Shu Pu Erh teilweise deutlich günstiger angeboten werden als lang gelagerte Sheng Pu Erh.

Pu Erh Verkostung und meine Eindrücke


Hier ein paar Fotos aus der heutigen Verkostung:

 



Der Duft des trockenen Blatts ist würzig-ledrig, aber glücklicherweise keineswegs muffig-schimmlig, wie ich es schon bei manchen Pu Erh erleben musste. Im Aufguss finden sich diese Duftnoten wieder, soweit mich meine durch eine Erkältung getrübten Sinne das wahrnehmen ließen. Auch der Geschmack ist zunächst würzig mit deutlichen Noten von Leder. Nach dem dritten Aufguss zeigte sich der Tee dann leichter und hinterließ im Mundraum ein frisches, geradezu erfrischendes Gefühl. Die Tassenfarbe wechselte je nach Ziehzeit (30 Sekunden bis hin zu drei Minuten) von einem hellen Honiggold zu einem dunklen Rotbraun. Der Tee zeigte auch nach längerer Ziehzeit keine Bitterkeit.

Vor dem ersten Aufguss habe ich den Tee einmal mit kaltem Wasser und einmal mit kochendem Wasser ganz kurz "gespült", also mit Wasser übergossen und diesen Aufguss dann direkt weggeschüttet. So wird der Tee "geweckt" und eventuelle Verunreinigungen aus der Lagerung weggespült. Insgesamt habe ich heute vier Aufgüsse gemacht, der Tee hätte aber durchaus noch Kraft für einige weitere Durchgänge gehabt.

Dieser Pu Erh reicht zwar bei weitem nicht an den 1990er-Grenztee heran, spielt aber auch preislich in einer ganz anderen Liga. 100 Gramm des Mannong Pu Ehr kosten derzeit 8,20 Euro, während 100 Gramm des 1990er-Grenztees aktuell mit 120 Euro gehandelt werden. Ähnliche Preis- und Qualitätsunterschiede sind ja auch bei Wein, Sekt und Champagner zu finden. Beim Tee relativiert sich der hohe Preis ein wenig, wenn man bedenkt, dass die Teeblätter mehrfach aufgegossen werden können und ein sehr guter Tee Kraft für viele Aufgüsse hat.

Nachdem ich erst kürzlich wieder den Versuch mit einem Pu Erh aus den 1980er-Jahren gewagt habe, der leider deutliche Schimmelnoten zeigte, lässt mich dieser Pu Erh hoffen, dass ich mich doch noch mit dieser speziellen Tee-Art anfreunden kann. Diese Art von Tee wird vermutlich nie mein Alltags-Tee, aber ich denke, dass es immer wieder Momente geben wird, in denen ein sehr gut gemachter Pu Erh mich in einen spannende Teestunde entführen kann. Es gibt noch viel zu entdecken!

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