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Stephan Kockmann

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Tee-Anbau in Schottland - vier Tees im Test

Tee kommt nicht mehr nur aus den klassischen Tee-Regionen, auch in Europa gibt es einige Versuche, Tee anzubauen. Über den Tee-Anbau auf den Azoren hatte ich 2013 schon berichtet. Experimente mit dem Tee-Anbau gibt es auch in der Schweiz und in Deutschland. Aber wer hätte erwartet, in Schottland auf hochmotivierte und aktive Teeanbauer zu stoßen?

Doch das gibt es tatsächlich: Im schottischen Hochland wird bereits seit einer Weile Tee angebaut, verarbeitet und unter dem Label Wee Tea Company vermarktet.

Nach einigen Rückschlägen in der Anfangszeit, haben die schottischen Teeanbauer Erfahrungen gesammelt - mit den Wetterbedingungen, Wind und Kälte, den Pflanzen, der Verarbeitung. Die Erntemenge reicht bereits aus, um sie verkaufen zu können. Unter anderem nach China gehen Lieferungen. Hier scheint der Tee aus Schottland als "Exot" beliebt zu sein.

Vier Teeproben im Test


Ich hatte das Glück, vier Teeproben zu ergattern. So kann ich mir jetzt ein eigenes Bild machen, was für Tees die Schotten produzieren.

Vier Tees aus schottischer Produktion.

Im Test sind die Sorten: Isle of Mull Matcha, Dalreoch Scottish White Tea, Dalreoch Scottish Smoked White Tea und Garrocher Grey. Vielen Dank an Tam O'Braan für die Tees! Und natürlich möchte ich euch an meinen Eindrücken teilhaben lassen.

Hier zunächst die Zubereitungsempfehlungen, die den Tees beilagen:

 
 

Aber jetzt weiter zu meinem Test der vier Tees.

Isle of Mull Matcha


Zunächst habe ich mir verwundert die Augen gerieben: Mit einem Matcha aus Schottland hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Natürlich war ich neugierig, wie die Produktion abläuft. In Japan werden die Teesträucher vor der Ernte aufwändig beschattet, dann werden die Blattstängel und -gerippe herausgelöst, um nur das reine "Teefleisch" weiter zu verarbeiten. Aus diesem sogenannten Tencha wird dann durch extrem feines Vermahlen in Granitsteinmühlen der edle Pulvertee produziert.

Die Produktion des schottischen Matcha


Wie machen die Schotten das? Die Teepflanzen werden laut Tam O'Braan mit Hüllen beschattet, die normalerweise zum Schutz von Baumstämmen verwendet werden. Ein etwas anderes Verfahren als in Japan, aber in Schottland sind die Teepflanzen, dich ich auf Tams Fotos gesehen habe, auch noch recht jung und klein.

Vor dem Vermahlen der Teeblätter werden auch hier die Blattstiele entfernt. Die schottischen Teebauern orientieren sich also am japanischen Vorbild. Bei der Weiterverarbeitung des "Tencha" merkte man nach einigen Versuchen mit verschiedenen Produktionswegen schnell, dass einfache Mühlen und Mörser keine zufriedenstellenden Ergebnisse bringen. Entweder laufen die Mühlen heiß und schaden dem Tee oder das Mahlgut ist später zu uneinheitlich und nicht fein genug. Daher wird die Produktion des Matcha jetzt mit einer traditionellen Granitsteinmühle aus Yunomi durchgeführt.

Schottischer Matcha im Geschmackstest


Der Isle of Mull Matcha hat eine hellgrüne, eher gelbliche Färbung. Von der Farbe her erinnert er mich an die einfachen Koch-Matcha-Qualitäten und günstige chinesische "Matcha". Farblich und vom Duft des Teepulvers ist das kein Vergleich zum intensiv leuchtenden Grün und frisch-dunklen Duft guter japanischer Matcha-Qualitäten. Ich bin gespannt, ob sich dieser erste Eindruck im Geschmack widerspiegelt.

Links der Isle of Mull Matcha, rechts eine Premiumqualität
aus Japan. Die Farbunterschiede sind deutlich.

Hier die Farbunterschiede noch einmal im Detail: links der Isle of Mull Matcha, rechts eine japanische Premiumqualität. Auch im Duft der beiden Pulvertees zeigen sich diese Unterschiede:

 

Wie gewohnt verrühre ich das Teepulver zunächst mit etwas kaltem Wasser, bevor ich es mit passend temperiertem Wasser schaumig schlage:

 

Die gelblich-grüne Farbe zeigt sich auch in der Tasse. Der Matcha lässt sich gut aufschlagen und bringt einen schönen Schaum, der einen stabilen Eindruck macht. Die im Foto erkennbaren größeren Blasen hätte ich mit etwas mehr Feinarbeit sicher auch noch wegbekommen. Aber ich war auf den Geschmack gespannt.

Im Mund zeigt sich, dass der optische Eindruck nicht trügt. Mir fehlt die intensive Matcha-Süße der japanischen Premiumqualitäten. Dafür finde ich eine leichte Säure und etwas Bitterkeit. Schade, bei umgerechnet 38 Euro (30 £) für 15 Gramm hätte ich mehr erwartet. Das ist leider noch keine Konkurrenz für die japanischen Teebauern. Und für einen Kochmatcha ist der Preis deutlich zu hoch.

Aber die Teepflanzen sind noch jung und ich denke, dass hier noch einige Erfahrungen gesammelt werden. Und vielleicht gibt es schon in ein paar Jahren Matcha aus Schottland, der sich mit den japanischen Qualitäten messen kann.

Dalreoch Scottish White Tea


Der zweite Tee, den ich probiert habe, ist ein weißer Tee. Da ich naturbelassene Tees und deren Eigengeschmack liebe, freue ich mich, den Tee "pur" kennen zu lernen.


  

Das Blattgut sieht gut verarbeitet aus, hat aber auf dem Postweg ein wenig Druck abbekommen, so dass auch Blattkrümel dabei sind. Die Blätter zeigen ein schönes Farbenspiel und enthalten schöne, von silbrigem Flaum bedeckte Knospen. Der hellgoldene Aufguss ist sehr mild, zeigt keinerlei Bitterkeit, stattdessen einen Hauch von pflanzlicher Süße. Das feuchte Blatt duftet wie frisch geschnittene Pflanzen. Ein schöner Tee. Aber mit umgerechnet rund 145 Euro (115 £) für 50 Gramm ist das ein teurer Genuss!

Dalreoch Scottish Smoked White Tea


Den gerade verkosteten weißen Tee gibt es auch in der Variante mit Raucharoma, vergleichbar einem Lapsang Souchong. Beim Öffnen der Packung steigt mir gleich ein sehr intensives Raucharoma in die Nase. Wer geräucherten Schinken mag, der wird diesen Duft mögen. Vom Tee selbst rieche ich zunächst nichts - ich bin gespannt, wie sich dieses Raucharoma in der Tasse verhält.


  

Das Blattgut ist identisch zum bereits probierten weißen Tee. Die Tassenfarbe ist etwas dunkler, im feuchten Blatt ist kaum noch Raucharoma zu finden.

Aus der Tasse strömt mir ein intensives Raucharoma wie von Räucherschinken oder Mettendchen entgegen. Allerdings ist dieser Duft dezenter als der aus der Packung.

Geschmacklich bin ich erstaunt, dass sich der Tee angenehm rund präsentiert. Die dezente Süße gepaart mit dem Raucharoma harmoniert gut und erinnert mich im Nachklang an den Duft eines erloschenen Lagerfeuers.

Eine durchaus interessante Kombination, die ich aber nicht jeden Tag trinken könnte. Wie bei vielen aromatisierten Tees meldet sich hier mein Magen und legt ein kleines Veto ein. Als Begleiter zu belegten Broten dürfte sich das Raucharoma aber gut einfügen.

Ein durchaus interessanter Tee - aber auch dieser Tee ist mit umgerechnet 145 Euro (115 £) für 50 Gramm ein teures Vergnügen!

Garrocher Grey


Kommen wir zu Tee Nummer vier in meinem Test: Garrocher Grey.


 

 


Den "Earl Grey", einen mit Bergamotte-Öl aromatisierten Schwarztee, kennt wohl jeder Teetrinker. Der schottische Garrocher Grey interpretiert das alte Rezept neu und wurde mit "Monarda Flowers" aromatisiert, die im Deutschen als Zitronen-Monarde, Zitronengoldmelisse, Präriebergamotte oder Indianerminze bekannt ist. Der Duft erinnert in der Tat an Bergamotte oder eben den Earl Grey Tee.

Schon im trockenen Blatt ist das Bergamotte-Aroma deutlich zu finden. In der Tasse tritt es ebenfalls klar in den Vordergrund. Eine leichte Säure und verhaltene Adstringenz bleiben im Nachklag auf der Zunge. Wer die Sorte Earl Grey mag, dürfte diesen Tee ebenfalls mögen. Ich persönlich kann ihn mir mit etwas Milch und Honig auch gut vorstellen.

Allerdings fände ich es spannender, den Schwarztee pur genießen zu können, ohne eine Aromatisierung. Preislich ist auch dieser Tee mit rund 145 Euro (115 £) für 50 Gramm kein günstiges Vergnügen.

Mein Fazit


Die in Schottland produzierten Tees sind das Ergebnis eines ambitionierten Projekts, dem ich viel Glück und Erfolg wünsche! Die bisher noch kleinen Erntemengen und der aufwändige Anbau, bei dem zunächst einige Rückschläge bewältigt werden mussten, führen wohl zu den aktuell recht deftigen Preisen, die diese Tees derzeit zu einem Luxusgut machen.

Der angebotene schottische Matcha ist leider noch nicht auf dem Qualitätsniveau der japanischen Produkte. Aber was nicht ist, kann noch werden - das sind schließlich die ersten Gehversuche, während die japanischen Teebauern bereits auf Jahrhunderte an Erfahrung zurückblicken können.

Die anderen Tees sind gute Qualitäten. Vergleichbare Teequalitäten sind aber deutlich günstiger im normalen Teehandel zu bekommen.

Trotzdem - oder gerade deshalb - bin ich gespannt, wie sich die selbst so bezeichnete "schottische Tee-Revolution" weiter entwickeln wird. Ich wünsche Tam O'Braan und seinen Weggefährten auf jeden Fall gutes Gelingen und eine reiche Tee-Ernte!

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