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Stephan Kockmann

Bücher-Tipps für Teefreunde

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Wie man den Neujahrstee im Tempel Rokuharamitsu feiert

Gastautoren dieses Beitrags:
Valeria Jana Schwanitz und August Wierling
Valeria Jana Schwanitz (r.) und August Wierling (l.) in Naha, Japan.(Foto: © Manpuku-Verlag)
Der Beginn des neuen Jahres wird in Japan auf vielerlei Arten zelebriert. Es gibt einen ersten Besuch im Schrein am Neujahrstag, das Erleben des ersten Sonnenaufgangs, die Erinnerung an den ersten Traum, das erste Lachen sowie den ersten Teegenuss. In vielen Tempeln Japans wird dieser mit dem sogenannten ersten Wasser zubereitet, das man noch vor Sonnenaufgang schöpft.

Eine besondere, mit Tee verbundene Neujahrstradition findet alljährlich im Tempel Rokuharamitsu statt. Dieser historisch bedeutende, aber heute relativ kleine Tempel liegt in der alten Kaiserhauptstadt Kyoto und gehört zu den 33 Tempeln des Saigoku-Pilgerwegs. Der Überlieferung nach ist die Tradition vom Neujahrstee im Rokuharamitsu-Tempel mehr als tausend Jahre alt.

Holzplaketten mit Neujahrswünschen (Foto: © Manpuku-Verlag)

Touristen sind gern eingeladen, an der Tee-Zeremonie teilzunehmen. Basis für den Glück bringenden Neujahrstee, „O-buku-Cha“, ist feiner Sencha, also grüner Tee. I-Tüpfelchen sind die Beigabe einer eingelegten Pflaume sowie einiger Streifen Seetang. Sie verleihen dem Tee eine salzige Note. Zudem ist der Seetang reich an Umami („Würzigkeit“), dem 5. Geschmackssinn neben salzig, süß, bitter und sauer. Damit wird der Tee schon fast zur Speise.

Kannon-Statue im
Tempel Rokuharamitsu
(Foto: © Manpuku-Verlag)
Erfinder des O-buku-Cha soll der Mönch Kuya gewesen sein, der zur Zeit der großen Pest von Kyoto lebte, und der wegen seiner fröhlichen, unerschrockenen Art noch heute als japanischer Augustin verehrt wird. Seine spezielle Teemischung soll Kranke kuriert haben. Angeblich war sogar der Kaiser Murakami von seiner Wirksamkeit überzeugt. Es dauerte nicht lange und der Tee bekam das zwar werbewirksame, aber elitäre Etikett „Tee, von dem der Kaiser getrunken hat“. Am Kaiserhof wurde es Mode, den Tee nicht nur als medizinische Stärkung, sondern vor allem als Glück bringendes Elixier für die kommenden Zeiten zu trinken. Andererseits lassen die japanischen Schriftzeichen verschiedene Lesungen zu. Mit den Jahrhunderten wurde so die Bedeutung des Tees als elitärer Adelstrunk verdrängt und als „Tee des großen Glücks“ umgedeutet. Das förderte zum Einen seine weitere Popularisierung und zum Anderen rückte der Teekult zu Neujahr, der Geschichte mit Geschichten mischt, wieder näher an seinen religiösen Ursprung.

Der charismatische Mönch Kuya (903-972) spielte eine große Rolle in der Verbreitung des populären Buddhismus in Japan. Er predigte die Lehre vom „Reinen Land“, nach der jeder Mensch, unabhängig von seiner Herkunft, Seelenheil erfahren könne und setzte seine Ansichten praktisch als Pestarzt und Seelsorger ein. Auf ihn geht außerdem die Tradition des geheimen Nenbutsu-Singens und -Tanzens zurück und sicherlich praktizierte er auch buddhistische Opferzeremonien. Beispielsweise war es üblich, Buddha oder anderen buddhistischen Heilgestalten Speisen und Getränke, so auch Tee, als Opfer darzubringen. Später wurden die Gaben dann in der Mönchsgemeinschaft verzehrt. Mit der Zeit erweiterte sich der Kreis um andere Gläubige. Bei der Verwendung von Tee im buddhistischen Opfer spielte jedoch der gleiche Grundgedanke eine Rolle, der auch Kern der „Glückstee“-Legende von Mönch Kuya ist: der Neujahrstee ist nicht in erster Linie ein Genussgetränk, sondern soll Geist und Körper stärken.

Neujahrsdekoration am Tempel (Foto: © Manpuku-Verlag)

Hinweis für Japanreisende: Im Rokuharamitsuji wird an den ersten drei Tagen eines neuen Jahres der „O-Buku-Tee“ für Besucher angeboten. Mittlerweile ist die Tradition außerdem von anderen Tempeln übernommen worden, zudem haben viele Teegeschäfte den Neujahrstee im Angebot.

Lust auf mehr japanische Teekultur? Dann lies den Gastbeitrag Okinawas aphrodisische Teezeremonie vom gleichen Autorenteam. Dort findest du auch Informationen und eine Bestellmöglichkeit für ein schönes Buch über Japan, dass August und Jana im Selbstverlag anbieten.

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