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Stephan Kockmann

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Teekadenz-Tee und doppelwandiges Teeglas im Test

Vor kurzem erhielt ich ein Päckchen mit Tee und einem doppelwandigen Deckel-Teeglas von "Teekadenz". Dieser Teehändler hat sich auf die Fahnen geschrieben, qualitativ beste Tees in aromaversiegelten, gebrauchsfertigen Kleinpackungen anzubieten - simpel gesprochen: einzeln verschweißte Tassenportions-Teebeutel. Dabei ist das Sortiment bewusst beschränkt auf derzeit 12 Tees und wenige Zubehörartikel.

Teekadenz - Verkostungsauswahl
Die Verkostungsauswahl: Doppelwandiges Teeglas mit
doppelwandigem Glasdeckel und 6 Sorten Tee im Portionsbeutel.

Aus dem Tee-Sortiment habe ich folgende Sorten zur Verkostung erhalten: Darjeeling First Flush SFTGFOP1, weißer Tee "silver needle", Oolong-Tee "black dragon", Yunnan-Schwarztee "golden rain" sowie einen Assam-Tee "black tiger" und den China-Grüntee "jade's green". Im Sortiment gäbe es ferner noch einen Earl Grey, Pfefferminz, Kamille, Rooibos und einen Grüntee mit Mango-Zitrus-Aromen.

Da mich aromatisierte Tees, Früchte- und Kräuteraufgüsse meist nicht begeistern, beschränkt sich mein Test auf die nicht-aromatisierten, "echten" Tees, die aus der Teepflanze (Camellia sinensis) hergestellt werden.

Woher kommt der Name des Shops?


Der Name "Teekadenz" lehnt sich laut Aussage der Unternehmensgründerin Julia Gasser primär an die "Kadenz" aus der Musik an, bei der ein Solist im Rahmen eines Konzerts sein außerordentliches Können demonstriert. Zum anderen spielt aber auch die "Dekadenz" eine Rolle, wodurch - mit einer gehörigen Portion Selbstironie - auf den Luxus-Charakter der angebotenen Waren angespielt werden soll.

Die Tee-Auswahl erfolgt in Zusammenarbeit mit renommierten Teeimporteuren, die über regelmäßige Laboruntersuchungen sicherstellen, dass nur geprüfte Tees angeboten werden. Die Gründerin des Unternehmens hat einige Jahre in Asien gelebt und kennt daher die örtlichen Gegebenheiten. Trotzdem - oder gerade deswegen - verzichtet sie bewusst auf einen Direktimport und die Festlegung auf einzelne Teegärten oder Teebauern.

Das doppelwandige Teeglas mit Deckel


Teekadenz - doppelwandiges Teeglas mit Deckel
Doppelwandiges Teeglas mit Deckel
Zusammen mit den Teeproben erhielt ich auch das Teeglas "cool steeper". Es handelt sich hierbei um ein mundgeblasenes, doppelwandiges Borosilikat-Teeglas inklusive ebenfalls doppelwandigem Glasdeckel. Die Innenwand des Glases ist "gefrostet" und sieht daher milchig aus, so dass die Farbe des Tees auf besondere Weise zur Geltung kommt. Das Glas fasst ca. 230 Milliliter Tee, was in etwa dem Fassungsvermögen einer normalen Teetasse entspricht.

Die Doppelwandigkeit inklusive Deckel sorgt dafür, dass das Teeglas außen nur leicht warm wird, während der Inhalt seine Temperatur hält und die Tee-Aromen dank des Deckels im Glas bleiben. Zudem dient der Deckel, wenn er abgenommen und umgedreht auf den Tisch gelegt wird, als praktische Ablage für den Teebeutel.

Teekadenz - doppelwandiges Teeglas mit Deckel
Produktionsspuren
im Deckelrand.
Das Teeglas wird von Teekadenz als moderne Interpretation des klassischen Gaiwans präsentiert. Wobei ein Gaiwan üblicherweise dreiteilig wäre, einen nach außen gebogenen Rand hat und der Deckelrand zum "umrühren" des Tees sowie als "Filter" verwendet würde. Aber immerhin, Deckeltassen sind beide.

Im Boden und im Deckelrand ist jeweils eine kleine "Erhebung" zu sehen und spüren, die in den Shop-Bildern nicht erkennbar ist. Das sind die Stellen, an denen die Glasbläser ihr Werkzeug angesetzt haben. Auch wenn man im ersten Moment an einen Produktionsfehler denken mag, ist das wohl ein Zeichen der Handarbeit und wurde bewusst in Kauf genommen, um auch den Deckel doppelwandig fertigen zu können. Das Teeglas ist laut Shop-Angabe spülmaschinentauglich, aber auch von Hand leicht zu reinigen.

Die Tee-Qualität im Schnelltest


Um mir ein erstes Bild von der Qualität der gelieferten Tees zu machen, habe ich mir den "golden rain" ausgesucht - ein Dian Hong, also ein Schwarztee (oder besser "roter Tee") aus Yunnan. Denn was in Europa als Schwarztee angesehen wird, wird in China in der Regel als roter Tee gehandelt.

Reißt man die Folien-Verpackung des "golden rain" auf, ist im Inneren eine Tassenportion des Tees in einem netzartigen Beutel zu finden. Laut Shop-Information handelt es sich um handgefüllte Säckchen aus biologisch abbaubarem Nylon. Das Material scheint das gleiche zu sein, das ich bereits von den Mighty Leaf Teebeuteln kenne. Das Teesäckchen von Teekadenz ist mit einem Papier-Etikett an einem am Beutel verknoteten Faden versehen, auf dem vorn der Name des Tees und hinten ein QR-Code sowie die Zubereitungsempfehlungen aufgedruckt sind.



Zubereitet habe ich diesen Dian Hong gemäß Shop-Empfehlung mit 100 Grad Celsius heißem Wasser und vier Minuten Ziehzeit:



Optisch ist das trockene Blatt, soweit es im Teebeutel erkennbar ist, schön anzusehen. Auch die Farbe des Aufgusses kommt in der Deckeltasse gut zur Geltung. Die feinen Härchen sind teils auf der Innenseite der Folienverpackung zu finden, der Dut des trockenen Blattes ist angenehm rund.

Geschmacklich ist der Tee gut, ohne Bitterkeit - aber ich hätte mir im Falle eines "ultimativen Spitzentees", der er sein soll, mehr Süße im Aufguss gewünscht. Zumindest würde das für mich eine Dianhong-Spitzenqualität auszeichnen.

Schaue ich mir das feucthe Blatt an, nachdem ich den Beutel aufgeschnitten habe, sehe ich neben einigen großen Knospen und feinen Blättern auch einiges an Teeblatt-Bruch. Das ist zwar kein Zeichen schlechter Qualität und sorgt dafür, dass sich die Aromen schneller im Wasser lösen, aber die Fotos des Tees im Shop haben meine Erwartungen auch hier hochgeschraubt.


Mein Fazit


Das doppelwandige Teeglas mit dem doppelwandigen Deckel ist ein Hingucker und ein praktisches Accessoire für die Teekadenz-Tassenportionen. Durch die "gefrostete" Innenwand schwebt der Tee wie in einem dünnen Eispanzer im Glas.

Die Zielgruppe für die Teekadenz-Tees sind laut Informationsblatt des Shops sowohl die Spitzengastronomie als auch Endverbraucher, die für sich und ihre Gäste "wirklich nur das Beste suchen". Durch die aromaschützende Verpackung in Tassenportionen kommt das dem Bequemlichkeitsgedanken entgegen. Auch die Teequalität ist für die Zielgruppe in Ordnung. Gegenüber dem altbekannten, überlagerten, nicht aromaversiegelten Teebeutel ist das ein Quantensprung.

Dennoch: Auch loser Tee lässt sich mit wenig Aufwand aromaschützend lagern, einfach dosieren und verursacht weniger Verpackungsmüll, selbst wenn dieser (teilweise) biologisch abbaubar ist. Für die Gastronomie und Hotellerie geht das Teekadenz-Sortiment in Ordnung, solange kein Tee-Sommelier vor Ort ist. Ansonsten würde ich immer losen Tee bevorzugen, der auf den Gast und dessen Bedürfnisse abgestimmt werden kann.

Preislich scheint mir der Tee allerdings deutlich zu hoch angesiedelt. 24 Portionen des "golden rain" kosten knapp 35 Euro. Gehe ich von 2,5 Gramm Tee pro Portionsbeutel aus, lande ich bei ca. 60 Gramm. Das ist in etwa der vierfache Preis im Vergleich zu einem ebenso guten losen Tee aus einem meiner Referenz-Shops.

Geschuldet ist der hohe Preis wohl der aufwändigen Verpackung, der Handarbeit und nicht zuletzt der Zielgruppe "Spitzengastronomie". Für den anspruchsvollen Teegenießer, der achtsam mit losem Tee umgeht, lohnt sich dieser Mehrpreis meines Erachtens jedoch nicht.

Bezugsquellen




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