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Stephan Kockmann

Bücher-Tipps für Teefreunde

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Rainer Schmidt - Das Teebuch für Anfänger, Profis und Freaks

Der Autor Rainer Schmidt gilt als ausgewiesener Tee-Experte mit vielen Jahrzehnten Tee-Erfahrung. Teefreunden ist er sicherlich durch seine Bücher "Tee - Der Guide für Kenner und Genießer"* und den kleinen Einkaufsführer "Tee-Kompaß"* bekannt, die beide nur noch gebraucht erhältlich sind. Er geht inzwischen auf die 70 zu und ist seit 1964 im Teegeschäft tätig.

Mit seinem neuen Werk "Das Teebuch - für Anfänger, Profis und Freaks" versucht er sich an einem neuen Quasi-Standardwerk, das ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. Auf 164 Seiten bietet der Autor jede Menge kompaktes Tee-Wissen. Meine Eindrücke vor und nach der Lektüre möchte ich in diesem Beitrag mit euch teilen.

Erster Eindruck und Aufbau des Buchs


Schon beim ersten Durchblättern fällt positiv die Vielzahl schöner Fotos und Grafiken, die Breite der Themen und gute Verarbeitung des Buchs auf: Fadenheftung, gutes Fotopapier, durchgehend farbig illustriert. Das Motiv des Schutzumschlags ist übrigens auch auf den strapazierfähigen Buchdeckeln nochmals zu finden.

Die Qualität der Fotos ist größtenteils gut, manche sind aber in meinen Augen zu stark vergrößert worden und wirken dadurch etwas unscharf und schwammig, hier und da wiederholen sich die Motive. Das schmälert den Genuss ein wenig. An manchen Stellen hatte ich auch den Eindruck, dass der beschreibende Text nicht ganz zu den Abbildungen passte oder mir zumindest nicht klar wurde, was ich da nun genau gerade sehe. Hier hätte das Lektorat eingreifen sollen.

Inhaltlich ist das Buch in drei große Kapitel aufgeteilt: "Teewissen", "Tee-Anbaugebiete und Teesorten" sowie "Teezubereitung und Teegenuss".

Das Kapitel "Teewissen" liefert zum Einstieg Informationen zur Teepflanze, Ernte und Herstellung. Es folgen die Erläuterung der verschiedenen Blattgrade, Infos zu aromatisierten Tees, Teemischungen (Blends), zur Teeverkostung im "Probenzimmer" des Tea-Tasters, ein kurzer Abriss zur Tee-Geschichte und seinen Handelswegen sowie speziell die Tee-Lagerung in der Hamburger Speicherstadt.

Im Kapitel zu Anbaugebieten und Teesorten werden neben den klassischen Tee-Ländern Indien, Sri Lanka (Ceylon), Afrika, China und Japan auch kleine und besondere Anbaugebiete erwähnt. Ergänzt werden diese Beschreibungen durch kurze Einschübe zu Bio-Anbau und fairem Handel.

Das letzte Kapitel widmet sich allgemeinen Einkaufstipps, der richtigen Lagerung von Tee im Haushalt, der Wasserqualität als Basis für guten Tee, der Zubereitung von Schwarztee und Grüntee - in der Kanne, im Samowar und mit Teebeuteln. Abschließend gibt es Tipps zu Tee-Geschirr und Hinweise zu gesundheitlichen Wirkungen von Tee.

Im Anhang  folgt das Glossar, in dem die wichtigsten Tee-Fachbegriffe zum schnellen Nachschlagen zusammengefasst sind.

Der zweite Blick und Kritikpunkte


Die Inhalte dieses Buchs werden allen, die den eingangs erwähnten Tee-Guide von Rainer Schmidt kennen, sehr bekannt vorkommen. Vieles ist in ähnlicher Form wieder eingeflossen, leicht verändert, neu gegliedert, aktualisiert, erweitert und ergänzt. Soweit ist das positiv. Und man merkt, dass hier ein Teekundiger mit viel Erfahrung und eigener Meinung schreibt. Verzichtet hat er im neuen Buch auf die Vorstellung von Tee-Fachgeschäften, die Tabelle mit den Wasserhärtegraden sowie seine "Abrechnung" mit der Gastronomie. Verständlich bei seiner Gastronomie-Schelte, die heute so nicht mehr gelten kann. Schade aber für die Liste empfehlenswerter Tee-Fachgeschäfte, die ich durchaus hilfreich und erhellend fand.

Schön finde ich seine Anregung, eigene Teemischungen herzustellen und sich auch an eigene Aromatisierungen heranzuwagen. Das macht Lust auf Experimente, gerade wenn mal ein Teekauf im Nachhinein nicht mehr so recht überzeugt. Vielleicht lässt sich durch Beimengung einer anderen Teesorte trotzdem ein passabler oder sogar guter Alltagstee selbst herstellen. Versuch macht klug.

Neu aufgenommen hat Rainer Schmidt unter anderem Informationen zu Matcha, wobei er die Produktion sehr vereinfacht darstellt und nicht auf die unterschiedlichen Qualitäten dieses "Pulvertees" eingeht. Ähnlich ist es beim Pu Erh, wo er die klassische und "moderne" Produktionsmethode, also Sheng und Shu, nicht differenziert, sondern nur eine einzige Produktionsmethode beschreibt. Unterschieden wird laut seiner Darstellung bei Pu Erh zwischen gepresstem und losem Tee. Zudem erfolge eine Unterscheidung nach schwarz, grün und dunkelgrün - wobei für mich unklar bleibt, was die Unterschiede ausmacht.

Mehrfachaufgüsse und Teegeschirr


An manchen Stellen sind Aussagen widersprüchlich. So wird im Kapitel über japanischen Grüntee zwar erwähnt, dass Teegenießer den ersten Aufguss nur sehr kurz ziehen lassen. Im späteren Kapitel über die Grüntee-Zubereitung empfiehlt er aber, dass man Grüntee ca. drei Minuten bei 80 Grad ziehen lassen und möglichst kein zweites Mal aufgießen solle. Das dürfte den aufmerksam lesenden Tee-Einsteiger in leichte Verwirrung stürzen.

Auch im Kapitel über Teekannen und -geschirr finde ich es schade, dass er von Ton- und Porzellankännchen aus China und Japan "im Allgemeinen" abrät, da "die fernöstlichen Zubereitungsmethoden" doch zu sehr von den unseren abweichen.

Für mich sind gerade die chinesische Teezeremonie Gong Fu Cha und auch die japanische Teezeremonie mit Chawan und Matcha spannend und steigern den Genuss. Und selbst wenn man auf "Originalzubehör" verzichtet, lässt sich die chinesische Teezeremonie trotzdem als Anregung nutzen: Mehr Tee, kürzere Ziehzeiten und mehrfaches Aufgießen der Teeblätter. Das funktioniert eigentlich mit jedem Tee - allerdings sollte man das Gefäß für eine solche Tee-Session dann entsprechend klein wählen. Mehrfachaufgüsse in 1,5-Liter-Kannen klappen nur, wenn man in der Großgruppe Tee trinkt.

Interessant auch die lang tradierte Behauptung, dass Tee bei einer Ziehzeit über drei Minuten beruhigend wirke. - Das ist insofern missverständlich als sich die "beruhigende" Wirkung durch die Bitter- und Gerbstoffe meines Erachtens nur auf die Verträglichkeit für Magen und Darm bezieht, nicht aber darauf, dass das Koffein plötzlich nicht mehr anregend wirkt. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass es für Menschen mit niedrigem Blutdruck durchaus schlaffördernd sein kann, auch abends noch ein wenig Tee zu genießen. Es kommt also auf den Versuch an.

Was ich im Buch stark vermisse, ist ein umfangreiches Stichwortverzeichnis. Vieles lässt sich zwar über das Inhaltsverzeichnis wiederfinden, aber neben dem Glossar braucht ein solches Buch meines Erachtens eben auch ein Stichwort-Verzeichnis zum schnellen Nachschlagen. Dafür hätte ich im Zweifelsfall gern auf das eine oder andere großformatige Bild verzichtet.

In der Darstellung der Tee-Anbaugebiete fehlt für mich Neuseeland, das mit seinem Zealong schon einige Jahre einen ganz besonderen Tee produziert. Zudem verdienen auch die kleinen Plantagen in Europa und auf Hawaii eine Erwähnung am Rande, ganu wie die jüngsten Bemühungen, den Teeanbau in den USA Fuß fassen zu lassen.

Oxidation oder Fermentation


Dass Rainer Schmidt ein Teekenner "alter Schule" ist, mache ich auch an seiner Unterscheidung von Oxidation und Fermentation fest. Im Buch findet die Fermentation der Teeblätter auch bei Oolong und Schwarztee statt, die Oxidation ist dabei nur ein Teil der Fermentation.

Meines Wissens gehört nach der "modernen" Definition zur Fermentation das starke Mitwirken von Mikroorganismen. Insofern wird heute nur noch bei Pu Erh, der eine Art "Gärprozess" durchläuft und ähnlich wie ein Käse "reift", von Fermentation gesprochen. Bei Schwarztee und Oolong hingegen, wo die Verfärbung der Blätter hauptsächlich durch die Reaktion der Zellsäfte mit dem Luftsauerstoff herrührt, wird von Oxidation gesprochen. Das ist ähnlich, wie mit der Braunfärbung die ein aufgeschnittener Apfel erfährt. Aber letztlich ist das sicher eine Definitionsfrage.

Mein Fazit


Insgesamt gefällt mir das Buch trotz der angesprochenen Kritikpunkte gut. Hier spricht ein Teemensch mit viel Erfahrung. Der frühere "Tee-Guide" wirkt auf mich zwar insgesamt übersichtlicher - trotzdem: Das "Teebuch" bietet gutes, kompaktes Grundlagenwissen und damit einen schönen Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise in der Teewelt. Wer möchte, lässt sich von den Empfehlungen einfach "an die Hand nehmen".

Die im Untertitel angesprochenen "Profis und Freaks" werden sicher an manchen Stellen ähnlich wie ich kritisch hinterfragen und sich eine eigene Meinung bilden - aber vielleicht auch das eine oder andere Körnchen Wissen neu entdecken.

Buchdaten und Bestellmöglichkeit


Rainer Schmidt, "Das Teebuch - für Anfänger, Profis und Freaks"*
Verlag Braumüller, 24,90 Euro, ISBN 3-99100-104-7
164 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag,
durchgehend farbig mit vielen Fotos und Grafiken

► Online-Bestellmöglichkeit*

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