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Stephan Kockmann

Bücher-Tipps für Teefreunde

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Tee-Shop im Test: Whittard of Chelsea

Whittard of Chelsea - Tees im Test
Vier Tees von Whittard of Chelsea
im Test bei Tee-Tagebuch.de
"Whittard of Chelsea"* ist ein in Großbritannien beheimateter Tee- und Kaffeehändler. Bereits 1886, also vor mehr als 125 Jahren, eröffnete Walter Whittard sein erstes Tee- und Kaffeegeschäft in der Fleet Street in London.

In der Selbstdarstellung des Unternehmens heißt es: Seine Philosophie war es, „nur das Beste einzukaufen“. Er bezog die hochwertigsten Qualitätstees und -kaffees aus aller Welt und passte sie den Kundenwünschen an. [...] Walters Ursprungsphilosophie [ist] immer noch das Fundament von allem, was wir tun. [...] Wir haben mehr als 130 Tees in unserem Sortiment und mischen immer noch unsere eigenen Tees, wie schon Walter es tat.

Diverse "britische" Süßwaren, Zubehör, Porzellan, heiße Schokolade und Instant-Tees ergänzen heute das Sortiment. Aktuell bemüht sich das Unternehmen verstärkt, per Online-Shop auch die Tassen deutscher Teefreunde zu erobern. Ob die Aussage „nur das Beste einzukaufen“ eingehalten wird und wie die angebotene Tee-Qualität im Vergleich zu meinen Lieblings-Teehändlern abschneidet, wollte ich testen.Zu diesem Zweck habe ich mir stichprobenartig vier lose Tees aus dem Sortiment ausgesucht, von denen ich glaube, dass ich sie gut beurteilen und vergleichen kann - auch wenn dieser Test nur rein subjektive Wertungen bietet.

Vier Teesorten im Test


Die für meinen Test ausgewählten Teesorten sind allesamt lose abgepackte Ware:

Lieferung und Verpackung


Bis die angeforderten Tees versandt wurden, sind ein paar Tage vergangen. Die Lieferung selbst ging dann allerdings zügig innerhalb von zwei Werktagen. Da ich meine Bestellung nicht auf dem üblichen Weg direkt im Online-Shop aufgegeben hatte, dürfte die Ware aber normalerweise ohne Verzögerung an die Kunden rausgehen.

Die gelieferten losen Tees kommen in dunkelblauen Standard-Teetüten, wie sie in vielen althergebrachten Teeläden zu finden sind. Verschlossen sind die Verpackungen mit einem breiten Klebefilm-Streifen, beschriftet mit gedruckten Etiketten, auf denen oben das Whittard-Firmenlogo zu sehen ist. Eine Ausnahme ist der Darjeeling-Tee, der in einer größeren, hellblauen Kartonverpackung kommt, in der ein eingeschobener, verschweißter "Plastikbeutel" den eigentlichen Tee enthält. Die Verpackung ist in allen Fällen somit völlig ausreichend.

Mir persönlich gefallen allerdings die heutzutage häufig anzutreffenden, aromadichten Zip-Lock-Beutel besser. Darin ist der Tee besser geschützt und auch im täglichen Gebrauch sind diese Verpackungen praktischer, da sie sich problemlos wieder luft- und aromadicht verschließen lassen.

Der nächste Punkt, der mich an den klassischen Teeladen "um die Ecke" erinnert: Auf den Verpackungen sind leider keine Zubereitungs-Empfehlungen zu finden. Wenigstens im Online-Shop ist bei einigen Tees eine allgemein gehaltene Empfehlung zu Dosierung und Ziehzeit zu finden - leider aber längst nicht bei allen Tees. Hier würde ich mir mehr Anleitung für Teegenießer wünschen.

Ich persönlich orientiere mich gerne bei der ersten Zubereitung an den Empfehlungen des Händlers, um dann ggf. selbst weiter zu experimentieren. Auch schade: Obwohl man den deutschen Käufer ansprechen möchte, sind die Beschriftungen der Teeverpackungen durchgängig in englischer Sprache verfasst - wer sich im Englischen nicht so heimisch fühlt, muss also auf der (deutschsprachigen) Website die Informationen nachlesen.

Tees können "Spuren von Nüssen" enthalten


Eine Besonderheit: Mit Ausnahme des Darjeeling ist auf allen Tee-Packungen (sowie in der Produktbeschreibung im Shop) vermerkt, dass der Tee in einer Umgebung abgepackt wurde, die Spuren von Nüssen enthalten kann. Ein solcher Hinweis ist mir bisher noch bei keinem Teehändler aufgefallen.

Meine diesbezügliche Nachfrage blieb zunächst unbeantwortet, was allerdings daran liegen kann, dass ich auf Deutsch angefragt hatte. Wie sich herausstellte, spricht man trotz der deutschen Website in der Abwicklung scheinbar nur Englisch. Als ich schließlich nochmal auf Englisch nachhakte, erhielt ich prompt folgende Rückmeldung: "Regarding the mention of nuts on packaging, this is because some of our teas contain nuts and all our products are weighed in the same area so we have to state this message as a precaution." Meine Nachfrage, welche der Tees denn Nüsse enthalten, blieb bisher leider unbeantwortet. - Die Tees sind also für Nuss-Allergiker mit Vorsicht zu genießen.

Die Tees im Geschmacks-Test


Kommen wir jetzt zu meinen sensorischen Eindrücken der gelieferten Tees:


► Yunnan-Provinz-Tee*

Der Tee hat ein dunkles Blatt, das mit goldenen Blattspitzen (Tipps) durchsetzt ist. Das feuchte Blatt entfaltet sich zu schönen, rot-braunen Blättern. Der intensive, dunkel-leuchtende Aufguss verströmt einen würzigen, leicht rauchigen Duft. Der Geschmack ist würzig-weich, mit dezent malziger Süße.

Mein Fazit: Ein schöner Yunnan-Schwarztee für jeden Tag. Preislich liegt er mit 4,84 Euro je 100 Gramm allerdings etwas über vergleichbaren Tees anderer Shops, die dann teils sogar Bio-Qualität bieten.

► Milky Oolong*

Auf der Verpackung und im Shop habe ich keinen Hinweis auf die vorgenommene Aromatisierung finden können. Üblicherweise wird als "Milky Oolong" ein Tee bezeichnet, der (angeblich oder tatsächlich) mit Milchdämpfen aromatisiert wird. Es gibt auch noch eine meist als "Milk Oolong" bezeichnete spezielle Teestrauch-Züchtung, die von Natur aus ein cremig-milchiges Aroma zeigt und meiner Erfahrung nach meist aus Taiwan kommt. Dieser Milky Oolong kommt aus Fujian in China. Da schon das trockene Blatt nach Karamell duftet, gehe ich von einer Aromatisierung der Teeblätter aus - auch wenn die Shop-Beschreibung diesbezüglich nichts angibt. Dort finde ich lediglich folgende Beschreibung: "seltener und beliebter Hybrid-Tee mit einem unverwechselbar cremigen Geschmack und einem weichen, butterähnlichen Aroma."

Der Duft des trockenen Blattes ist dezent und macht daher schon einen guten Eindruck. Sehr starke Duftnoten würden für eine zu starke, eher minderwertige Aromatisierung sprechen. Der erster Aufguss liefert einen angenehm milden, cremig-karamelligen Geschmack mit leicht zuckriger Süße. Im zweiten Aufguss bleibt der Geschmack leicht und ausgewogen. Ebenso im dritten Aufguss. Eine positive Überraschung, spricht das für eine sehr gute Qualität der Aromatisierung und des als Basis dienenden Tees.

Mein Fazit: Eine sehr gute Qualität. Preislich liegt der Tee bei 5,69 Euro je 50 Gramm - ein vergleichsweise günstiger Preis für diese Qualität.

► Feinster Formosa Oolong*

Bei diesem Tee handelt es sich um einen dunkelblättrigen Oolong aus Taiwan. Weitere Angaben zur Herkunft gibt es nicht. Vom Blatt her würde ich den Tee durchaus in die Kategorie eines "Oriental Beauty" einordnen.

Aufgegossen habe ich diesen Tee zweieinhalb Minuten mit 90 Grad Celsius heißem Wasser. Der Duft des feuchten Blatts nach dem ersten Aufguss ist von angenehmer, leicht fruchtiger Säure geprägt. Die Tassenfarbe zeigt einen vollen, dunklen Goldton, der an Bernstein erinnert. Der Aufguss bietet Frucht- und Beerennoten (Blaubeere) mit einem Anflug von grüner Haselnuss. Das in der Produktbeschreibung angegebene malzig-blumige Aroma konnte ich nicht herausschmecken.

Mein Fazit: Ein qualitativ guter Tee, bei dem mir allerdings die Tiefe fehlte. Mit 9,96 Euro je 50 Gramm liegt der Tee im marktüblichen Preisniveau für einen (einfacheren) Oriental Beauty.

► Darjeeling (eingeschweißt im 125g-Päckchen)*

Auf der Verpackung ist der Hinweis "Blended in Germany" zu finden. Es handelt sich also um eine Teemischung aus unterschiedlichen Ernteperioden und ggf. Teegärten, die bereits in Deutschland für Whittard abgepackt wird. Das ist nicht negativ, dient es doch dem Zweck, dem Teetrinker einen immer gleichbleibenden Geschmack liefern zu können.

Allerdings liebe ich persönlich die puren Gartentees, am liebsten sogar pur aus einer Pflückung, was dann an Namensbestandteilen wie DJ2 oder DJ3 erkennbar ist. Der Teegenuss lebt ja gerade von den unterschiedlichen Geschmacksrichtungen verschiedener Erntegeänge, Jahrgänge und Lagen. Mischungen (blended teas) sind immer dann ideal, wenn man Wert darauf legt, immer wieder den gleichen Geschmack zu erhalten, unabhängig von Jahrgang, Plantage und Erntezeitpunkt.

Aber zurück zum Tee: Das trockene Blatt ist dunkel, fast vollständig oxidiert und enthält einige kleine Holzanteile (Stängel). Es verströmt einen angenehm brotigen Duft. Das feuchte Blatt öffnet sich gut und zeigt zerrissene Blätter, die aber noch gut in der Struktur sind.

Geschmacklich bietet der Tee eine leichte Adstringenz mit etwas Zitrusnote. Das ist angenehm, aber insgesamt zeigt der Tee für mich wenig Tiefe, was schade ist.

Mein Fazit: Mir fehtl bei diesem Tee die Komplexität und Tiefe reiner Gartentees. Trotzdem ist dieser Blend ein durchaus guter, brauchbarer und milder Alltagstee. Mit 59,76 Euro je Kilogramm finde ich den Tee allerdings zu teuer für einen Blend. Hier bieten andere Teehändler vergleichbare Qualität zu besseren Preisen.

Mein Testergebnis und Fazit


Die Qualität der von Whittard angebotenen (und stichprobenartig getesteten) Tees reicht von gut bis sehr gut. Das Preisniveau pendelt von günstig bis leicht überteuert. Verpackung, Beschreibung und Service sind einfacher Standard und bieten damit noch Luft nach oben.

Um den deutschen Markt begeistern zu können, sollte unbedingt ein deutschsprachiger Shop-Service für Anfragen zur Verfügung stehen. Insgesamt ist Whittard aber ein Tee-Shop, der gute Qualität liefert und Fans der englischen Teatime auch wegen der angebotenen Süßwaren und des "britischen" Tee-Zubehörs gefallen dürfte.

Link zum Online-Shop: Whittard of Chelsea*

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