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Mittwoch, 8. Februar 2012

Fragen an Teefreunde –Teil 18: Olga Kleim

Vor kurzem wurde ich per E-Mail auf einen Online-Tee-Shop aufmerksam gemacht, der sich gezielt auf ein bestimmtes Teeprodukt konzentriert: Teeblüten, auch Teerosen oder Teeblumen genannt, passende Glaskannen und entsprechende Geschenk-Sets in ansprechender Verpackung.

Olga KleimDie Teeblüten bestehen aus Teeblättern des weißen Tees (Yin Zhen Silver Needle), die zu kleinen Kugeln oder Kegeln gebunden werden und in denen sich Blüten von Jasmin, Nelke, Ringelblume und Chrysantheme verstecken. Sobald eine solche Teerose mit heißem Wasser aufgegossen wird, “erblüht” der Tee: Die Teeblätter entfalten sich und die darin versteckten Blüten werden sichtbar. Ein wunderschönes Schauspiel, das am besten in einer Glaskanne ohne Siebeinsatz zur Geltung kommt.

Ich konnte mich inzwischen von der guten Qualität der Teerosen überzeugen und meine: Ein ansprechendes Geschenk für den Valentinstag oder das meditative Tee-Erlebnis im Alltag. Daher war ich neugierig, etwas mehr über die Betreiberin zu erfahren, und freue mich, euch heute Olga Kleim von Tee-Bluete.de vorstellen zu können.

Bitte stellen Sie sich kurz vor:

Ich heiße Olga Kleim, bin 28 Jahre alt und arbeite in einer Agentur für Webentwicklung und Grafikdesign in Berlin. Mein Chef Michael und ich hatten die Idee, einen Tee-Online-Shop zu eröffnen, der etwas ganz Besonderes anbietet. Und das ist daraus geworden: Tee-Bluete.de

Welche Bedeutung hat Tee in Ihrem Leben? Welche Beziehung haben Sie zum Tee?

Tee zu trinken war für mich schon immer selbstverständlich, ich bin damit groß geworden. Ich trinke meinen Tee morgens und abends, mindestens.

Was ist für Sie das Besondere am Tee?

Das Besondere am Tee ist für mich, dass ich ihn immer und überall trinken mag: Tee wird mir nie zu fad oder zu süß oder zu schwer. Dass Tee wärmen und kühlen kann. Und dass es so viele verschiedene Sorten und Mischungen gibt, dass ich mir keine Sorgen machen muss, dass mir der Tee irgendwann „ausgeht“.

Wann hatten Sie den ersten Kontakt zum Tee und welcher Tee war das?

Ich schätze, ich war gerade mal ein Jahr alt. Ich bin in Russland geboren und aufgewachsen und für die Russen ist Tee ein Nationalgetränk. Es war für mich ganz normal, zum Frühstück und Abendessen schwarzen Tee zu bekommen. Damals gab es diesen „indischen Tee“ - was auch immer das war, wahrscheinlich Ceylon-Tee. Der war eine Weile lang richtig schwer zu bekommen und wurde nur bei besonderen Anlässen zubereitet.

Übrigens wurde der Tee in meiner Kindheit mit selbstgekochter Marmelade aus Erdbeeren, Sauerkirschen oder Sanddorn gesüßt. Meine Großeltern tranken ihren Schwarztee wieder ganz anders: Zucker wurde in großen Stücken gekauft und zuhause dann kleingehackt. Dann wurden die Zuckerstückchen zum Tee gegessen oder gelutscht. Aber das ist ganz lange her.

Was hat sich seitdem in Ihrem Verhältnis zum Tee geändert?

Irgendwann im Teenager-Alter fanden meine Freundinnen und ich es ganz toll, neue Teesorten auszuprobieren. Wir schenkten uns gegenseitig verschiedene Tees aus unseren Lieblingsteeläden und wählten unsere Favoriten aus. Seitdem probiere ich gern Neues aus und heute ist es immer noch so, dass meine beste Freundin und ich uns gegenseitig regelmäßig zum Tee einladen. Jedes Mal fällt dann der Satz: „Der schmeckt ja gut, wo hast du den her?“

Was war Ihr schönstes Tee-Erlebnis?

Als ich das erste Mal eine Teeblume im heißen Wasser aufgehen sah. Ich war richtig fasziniert, ich wusste ja nicht, dass Tee auch SO sein kann! Danach habe ich herumprobiert und für mich meine Lieblings-Teeblumen auf Basis von Yin Zhen-Tee gefunden. Michael war auch begeistert - und plötzlich wussten wir, was wir in unserem Tee-Shop verkaufen wollen: Teeblüten!

Was ist Ihr Lieblings-Tee, was ist das Besondere daran und wie bereiten Sie ihn zu?

Das hängt bei mir von Stimmung, Jahreszeit und Befinden ab. Aber generell trinke ich immer noch am liebsten schwarze Tees. Mein Tee darf nur nicht zu kräftig sein.

Wann und wo trinken Sie am liebsten Tee?

Am liebsten zuhause, wenn ich Besuch habe. Oder wenn ich selbst bei Freunden und Familie zu Gast bin. Ich liebe es, Tee auf langen Autofahrten zu trinken, und auch ganz banal abends vor dem Fernseher.

Welches ist Ihr liebstes Tee-Zubehör?

Mein kleines rundes Glaskännchen für Teeblüten. Durch die Lupenfunktion erscheinen die Blüten noch schöner und prachtvoller, und die knapp 500 ml sind praktisch. Man kann weitere Aufgüsse genießen, ohne sich zu „übertrinken“.

Was ist Ihr Lieblings-Zitat zum Thema Tee?

Ich glaube, dieses Zitat von William Gladstone fiel hier schon mal irgendwo:

Wenn dir kalt ist, wird Tee dich erwärmen,
Wenn du erhitzt bist, wird er dich abkühlen,
Wenn du bedrückt bist, wird er dich aufheitern,
Wenn du erregt bist, wird er dich beruhigen.

Was möchten Sie sonst noch zum Thema Tee erzählen, das ich vergessen habe zu fragen?

Eines unserer Ziele, mit dem wir unseren Teeblüten-Laden eröffnet haben, war, das Teetrinken auch in Deutschland populärer zu machen. Tee von dem Klischee wegzubringen, er sei so etwas wie eine Medizin, nur bei Hals- und Magenschmerzen anzuwenden. Wer weiß, vielleicht wird das Teetrinken ja irgendwann auch ein Teil der deutschen Kultur.

Vielen Dank für das Interview, Frau Kleim!

Eine Anmerkung zur letzten Antwort darf meinerseits hier aber nicht ausbleiben: Natürlich gibt es auch in Deutschland eine Teekultur, wenn auch (noch) regional begrenzt und im Norden der Republik angesiedelt. Ich spreche natürlich von den Ostfriesen, die zu den Großverbrauchern im Bereich Tee zählen. Die Ostfriesenmischung ist ein fester Begriff der Teekultur und die ostfriesische Teezeremonie ein wichtiger Teil der (nord-)deutschen Kultur. Wer mehr über die ostfriesische Teekultur wissen möchte, findet in “Tee-Tied: Die ostfriesische Teekultur”* einen schön bebilderten kurzen Einblick in die ostfriesische Teewelt.

Sonntag, 5. Februar 2012

Fragen an Teefreunde – Teil 17: Oliver Wallbaum

drache_trinkt_drachenbrunnenteeIn meiner Reihe “Fragen an Teefreunde” habe ich schon einige Teehändler, Tee-Experten und Autoren vorgestellt. Heute möchte ich euch Oliver Wallbaum vorstellen, der Grafiker und Teegenießer ist, was sich in einem seiner letzten Bilder widerspiegelt: “Drache trinkt Drachenbrunnentee”.

Bitte stell dich kurz vor, Oliver:

Oliver Wallbaum, von Beruf Grafiker mit einem Faible für Cartoons (www.illustratoon.de). Ich lebe in der Nähe von Hannover und bin passionierter Teetrinker.

Welche Bedeutung hat Tee in deinem Leben? Welche Beziehung hast du zum Tee?

Tee, also das Produkt aus der Pflanze Camellia sinensis, trinke ich von morgens bis abends. Dieses Getränk bietet eine wahnsinnig große Vielfalt und großen Genuss.

Was ist für dich das Besondere am Tee?

Seine Unaufdringlichkeit und das kleine Universum seiner geschmacklichen Vielfalt.

Wann hattest du den ersten Kontakt zum Tee und welcher Tee war das?

Schwer zu sagen. Da ich Kaffee noch nie besonders schmackhaft fand, kam ich fast automatisch zum Tee. Nun, das „Zusammengefegte“, was man gemeinhin so in Teebeuteln verabreicht bekommt, ist ja oftmals wirklich schauderhaft, und so war es wohl eine Tasse guten Assam-Tees (ich glaube Mokalbari), der mich vor etlichen Jahren auf den „richtigen“ Geschmack brachte.

Was hat sich seitdem in deinem Verhältnis zum Tee geändert?

Das Wort „geändert“ möchte ich durch „erweitert“ ersetzen. Ja, man kann sagen, dass sich mein Verhältnis zum Tee stark erweitert hat. Es gibt für mich nach Jahren immer noch Neues zu entdecken.

Was war dein schönstes Tee-Erlebnis?

Als ich in einem chinesischen Teegeschäft in Peking Tee gekauft habe. Das Ambiente, der Duft und das Aroma – faszinierend. Man kann dort stundenlang Tees probieren. Ein überaus emsiges Personal wird nicht müde die verschiedensten Sorten zum Probieren zu reichen und beantwortet geduldig alle Fragen. Ein Service und eine Zuvorkommenheit, wie sie im deutschen Einzelhandel nicht (oder nur sehr selten) zu finden sind.

Was ist dein Lieblings-Tee, was ist das Besondere daran und wie bereitest du ihn zu?

Eigentlich sind es zwei. Einmal der Assam Mokalbari bei den Schwarztees und der Drachenbrunnentee (long jing cha) bei den Grüntees . Die Zubereitung des Assams: Einen Teelöffel Mokalbari pro Tasse, mit kochendem Wasser übergießen und 2 Minuten ziehen lassen. Für die Zubereitung des Drachenbrunnentees gebe ich die Teeblätter lose (Chinese Style) in die Tasse und gieße mit 80°C heißem Wasser bis zu drei mal auf.

Wann und wo trinkst du am liebsten Tee?

Im Büro, zuhause, unterwegs mit speziellem Thermobecher.

Welches ist dein liebstes Tee-Zubehör?

Die Teekanne Mono Filio. Eine bessere gibt‘s nicht.

Was ist dein Lieblingsbuch zum bzw. über Tee? Welche Musik passt für dich zu einer schönen Teestunde?

Lieblingsbuch? Kann ich nicht sagen. Bisher hat mir der Tee beim Lesen immer sehr gut geschmeckt. Bücher, bei denen das vielleicht nicht der Fall wäre, lese ich nicht. Mit der Musik ist das wohl ähnlich. Klassik, skandinavischer Jazz oder Lounge-Music gehen angenehm ins Ohr. Rap, Hip-Hop oder Reggae verursachen wahrscheinlich Sodbrennen.

Was ist dein Lieblings-Zitat zum Thema Tee?

„...und was ist mit Tee?“ (wichtig: im friesischen Dialekt gesprochen)

Was möchtest du sonst noch zum Thema Tee erzählen, das ich vergessen habe zu fragen?

Nun ja, ich finde Tee sehr inspirierend. Das Ergebnis findet sich hier. Freue mich immer über Feedback.

Vielen Dank für das Interview, Oliver!

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