Informationen für Genießer rund um den Tee

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Stephan Kockmann

Bücher-Tipps für Teefreunde

Auf dieser Seite findest du alle Beiträge zu Tee-Büchern und Interviews mit Tee-Buch-Autorinnen und -Autoren, die bisher im Tee-Tagebuch.de veröffentlicht wurden. Viel Spaß bei der Lektüre!

Das Teelexikon von Dr. Hans-Bernd Böttger


Bereits 2010 ist das Teelexikon von Dr. Hans-Bernd Böttger* im Verlag Pro BUSINESS aus Berlin erschienen. Im gleichen Jahr kam auch James Norwood Pratt mit seinem hoch gelobten Tea Dictionary auf den Markt. Während ich letzteres bereits vor zwei Jahren ausführlich vorgestellt habe, bin ich über das deutschsprachige Teelexikon leider erst vor kurzem mehr oder weniger durch Zufall “gestolpert”. Umso neugieriger war ich natürlich auf das Buch!

Was unterscheidet die beiden Tee-Nachschlagewerke, abgesehen von der Sprache, Aufmachung und Ausstattung? Der Autor Dr. Böttger formuliert es so: Das „Teelexikon“ ist […] eher eine systematische Aufarbeitung des Themas [Tee] mit Konzentration auf die deutsche Sprache und an „Endnutzer“ gerichtet, während das „Tea Dictionary“ eher an die Branche gerichtet ist und viele nützliche Informationen (Firmen, Sorten, …) für Händler bietet.

Das deutschsprachige Teelexikon wird mit 358 fadengehefteten Seiten im festen Einband geliefert, auch wenn im Vorwort und Rückentext von einem “Taschenbuch” die Rede ist. Die Anzahl der im Lexikon erläuterten Begriffe ist leider nicht angegeben, ich würde sie grob auf ca. 1.800 bis 2.000 Stichworte schätzen. Der Satzspiegel ist recht breit gewählt, so dass mir persönlich der äußere Seitenrand etwas zu schmal geraten ist. Aber das ist sicher auch eine Geschmacksfrage.

Die Erläuterungen der Tee-Begriffe sind im typischen Lexikon-Stil verfasst, mit Querverweisen und Abkürzungen. Auf Abbildungen wurde in dieser Ausgabe des Teelexikons aus rechtlichen Gründen komplett verzichtet. Für eine spätere, stark erweiterte Ausgabe sind dann aber auch Abbildungen geplant. Trotzdem ist das Lexikon schon jetzt ein spannendes Nachschlagewerk für alle Teeinteressierten!

In Buchhandlungen wird das Buch eher selten zu finden sein, da es als “book on demand” oder auch “publishing on demand” produziert wird. Das bedeutet, dass der Verlag das Buch erst dann herstellt, wenn eine Bestellung vorliegt. Aber keine Sorge: Verarbeitung und Druckbild sind durchgängig gut - das Buch macht einen strapazierfähigen Eindruck.

Wer ist eigentlich der Autor? Das wollte ich genauer wissen und Dr. Böttger war so nett, mir für ein kurzes Interview zur Verfügung zu stehen:

Dr. Hans-Bernd BöttgerHerr Dr. Böttger, welche Beziehung haben Sie zum Tee? Haben Sie beruflich mit Tee zu tun?
Nach einer wissenschaftlichen Karriere als Mathematiker war ich lange Zeit IT Manager bzw. CIO und bin heute selbständiger Managementberater. Der Tee ist also einfach ein intensives Hobby. 
Dazu kam es in meiner Jugend, als im Gymnasium die Mädchen „Klubs der Ungeküßten“ gründeten und die Jungs einen Teeclub.
Wie und wann sind Sie auf die Idee mit dem Teelexikon gekommen?
Hier hat meine wissenschaftliche Genauigkeit „zugeschlagen“, weil schon die ersten von mir gelesenen Bücher zum Thema nur sehr ungenaue Informationen enthielten und ich „Nachforschungen“ anstellte. 
Die so erlangten Informationen wollte ich von Anfang an teilen und die professionelle Beschäftigung mit Rechnern kam der Sammlung der Informationen, welche anfänglich auf Karteikarten erfolgte, entgegen. 
Die ersten einfachen Zusammenstellungen entstammen so schon den 70er Jahren - in WordStar geschrieben.
Wie lange haben Sie am Teelexikon gearbeitet? Wie viele Stichworte umfasst das Teelexikon derzeit?
Seit den 70er Jahren habe ich die Informationssammlung in meiner Freizeit immer weiter aufgebaut. Von WordStar über WordPerfect liegt der Text derzeit in MS Word vor. 
Inzwischen enthält die noch nicht veröffentlichte, aktuelle Version ca. 5500 Stichworte.
Wie kam es zu der Entscheidung, das Buch im "book-on-demand"-Verfahren zu veröffentlichen?
Einerseits wollte ich mich nicht vom „Hereinreden“ bestimmter Verlage abhängig machen, andererseits wollte ich die Autorenrechte wahren. Einige vorsichtige Anfragen bei Verlagen ergaben übrigens keine Ermutigung. 
Und da ich mir bewußt war, daß das Werk bei weitem noch nicht vollendet und perfekt war (was es wohl nie sein wird), entschied ich mich für den zwar teureren, aber schnelleren und einfacheren Weg für die erste Version.
Woher haben Sie die Informationen für das Teelexikon bezogen? Und warum betonen Sie "die Rückbesinnung auf das deutsche Sprachtum"?
Die Informationen entstammen hauptsächlich der umfangreichen mir zur Verfügung stehenden Literatur (über 500 Bücher zum Thema), wobei ich bemüht bin, echte primäre Quellen und nicht immer wieder voneinander abgeschriebene Sekundärliteratur zu benutzen und die Informationen zu hinterfragen. Natürlich sind darunter umfangreiche Kompilationen wie Ukers´ „All about tea“ oder eben Pratts „Tea Dictionary“, aber insbesondere ursprüngliche Werke wie Lu Yu´s „chájīng“ (leider nicht chinesisch, da ich nur deutsch, polnisch, englisch und russisch spreche), Okakuras „The Book of Tea“ oder Liptons „Leaves from the Lipton Logs“ und Fachartikel wie z. B. Sealy´s „A revision of the Genus Camellia“ (The Royal Horticultural Society, London, 1959). 
Die Betonung der deutschen Sprache ist dem Kampf gegen ihre „Verhunzung“ durch unnötige Anglizismen geschuldet. In meinem Berufsumfeld in der Informationsverarbeitung ist das besonders schlimm, aber oft gibt es neue Entwicklungen und es gibt einfach noch keine deutschen Begriffe dafür. Analog ist dies im Polnischen, was mich in meinem Buch über Dokumentenverwaltung stark gestört hat. Und da der Tee nun mal über England nach Deutschland kam und der Welthandel englischsprachig abgewickelt wird, ist es in diesem Gebiet ebenfalls schlimm. Es gibt aber für fast alle englischen Begriffe deutsche Entsprechungen, weswegen Sie im Teelexikon wohl die gebräuchlichen englischen Begriffe als Stichworte finden, aber sofort mit einem Verweis auf den deutschen Begriff. Nur selten geht das nicht, wie Sie z. B. bei „Oolong“ überprüfen können.
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft in Bezug auf das Teelexikon und andere tee-bezogene Projekte?
Da sich meine berufliche Tätigkeit dem Ende zuneigt, werde ich wohl zukünftig dem Tee immer mehr Zeit widmen können. Ein „Nahziel“ wäre da eine weitere Version des „Teelexikons“ – diesmal mit Abbildungen, Tabellen und Grafiken. Ein wünschenswertes Projekt wäre z. B. die Zusammenarbeit mit Herrn Pratt [Anm. d. Red.: James Norwood Pratt, siehe Rezensionen zu seinen Büchern “Tea Dictionary” und “Tee für Genießer”] und ebenfalls könnte ich mir eine Internetversion des Teelexikons vorstellen, die man mit verschiedenen Seiten verlinken könnte – z. B. auch mit Wikipedia.
Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Böttger!

Mein Fazit zum Buch

Das Teelexikon ist ein umfangreiches Nachschlagewerk für Tee-Genießer, Tee-Interessierte und Tee-Neugierige. Während in der gängigen Literatur zum Thema Tee meist nur einige wenige Stichworte als Begriffsliste angehängt sind, findet der Leser hier jede Menge Informationen in Lexikon-Form. Das Buch ist ideal für alle, die sich intensiver mit dem Thema Tee befassen möchten, denen bisher aber ein kompaktes, deutschsprachiges Nachschlagewerk fehlte. Eine schöne Ergänzung zum Tea Dictionary von James Norwood Pratt!

Bezugsquelle
Dr. Hans-Bernd Böttger, Teelexikon bei amazon.de bestellen*

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