Werbung

Samstag, 19. November 2011

Verkostungsnotiz Tongqinghao Pu’er-Tee

Mit Pu’er (auch Pu Erh oder Pu Er geschrieben) hatte ich bisher immer so meine Probleme. Diese oft als Teefladen verkaufte Teesorte ist ein durch spezielle Lagerung gereifter Tee, der aus den recht großen Blättern einer oft noch wild wachsenden Teestrauch-Art hergestellt wird.

Nach der Ernte werden die Teeblätter zu Teefladen oder Teekuchen gepresst und mehrere Jahre gelagert, wobei der Tee in dieser Zeit nachfermentiert und langsam “reift”. Entstanden ist diese Art der Verarbeitung eigentlich aus praktischen Gründen, weil der Tee in der kompakt gepressten Form leichter über die Teehandelsrouten zu transportieren war. Auf diesem langen, mühsamen Transport über die Teestraße reifte der Tee und bekam sein einzigartiges Aroma.

Tongqinghao-Pu-Erh

Gerade bei Pu’er ist die Kunst der Teemeister gefragt, die seine Fermentation durch Kontakt mit Luft und Feuchtigkeit steuern müssen, so dass der Tee reift, aber nicht verschimmelt. Da dies sehr zeitaufwändig ist, gibt es heute auch Produktionsmethoden, bei denen dieser Reifungsprozess künstlich beschleunigt wird.

Pu’er-Tee bekommt durch den Reifungsprozess einen erdigen, sehr charakteristischen Geschmack – kann allerdings durch falsche Lagerung auch schnell verderben. Dann schmeckt der Tee nur noch “schimmlig” und ist ungenießbar. Gerade diese “Schimmel-Note” ist mir bei vielen Pu-Erh-Tees unangenehm aufgefallen, die ich bisher probiert habe. Ausnahmen waren ein sehr junger, frischer, grüner Pu-Erh-Teefladen und eben der Tongqinghao Pu’er (Jahrgang 2006), den ich vor kurzem als Teeproben aus China erhalten habe. Oft stand ich mit meiner Kritik und meinen Zweifeln allerdings ziemlich allein da. Darum vergleiche ich Pu’er gerne mit Blauschimmelkäse und Harzer Roller – auch hier gibt es meist nur zwei Reaktionen: Begeisterung oder strikte Ablehnung.

Aber zurück zu meiner Verkostung: Nachdem ich den kleinen, gepressten “Teeziegel” zunächst mit kochendem Wasser “geweckt” habe (also mit kochendem Wasser übergießen, kurz ziehen lassen, dann diesen Aufguss wegschütten), durfte der Tee im ersten Aufguss nach chinesischer Tradition zunächst knapp 30 Sekunden ziehen. Schon hier zeigten sich dezente Fruchtnoten von getrockneten Aprikosen und der Teesud hatte eine schöne, hellgoldene Farbe.

Im zweiten Aufguss, der dann etwas länger zog, zeigte sich die Aprikosen-Note noch deutlicher, wobei der Tee eine intensivere, bernstein-goldene Farbe bekam, ohne dabei jedoch bitter zu werden. Der Geschmack blieb angenehm mild, leicht erdig und fruchtig. Und auch im dritten Aufguss ist noch jede Menge Geschmack und Farbkraft zu finden, was für die hohe Qualität dieses Tees spricht.

Der Teeziegel öffnete sich schon im ersten Aufguss wunderschön und gab die ganzen Blätter frei, so wie ich es von gerollten Oolongs kenne, deren kleine Kügelchen sich im Wasser wieder zu ganzen Teeblättern entfalten.

Das feuchte Blatt des Tongqinghao Pu’er verströmte genau wie der Teesud den Duft nach getrockneter Aprikose und zeigte nur beim allerersten Schnuppern nach dem Heben des Deckels eine ganz schwache Tendenz zu dem bei anderen Pu Erhs erlebten Geruch nach “feuchtem Keller”.

Mir gefällt der Tongqinghao Pu’er ausgesprochen gut. Beim ersten Verkosten Ende Oktober hatte ich eher die erdigen Noten des Aufgusses erlebt, heute treten deutlich die fruchtigen Noten in den Vordergrund. Ich bin gespannt auf weitere Verkostungsdurchgänge – und vor allem auf weitere Jahrgänge und deren Geschmack!

So wie es aussieht, wird Tongqing Tea bald auch direkt in Deutschland eine Bezugsquelle anbieten, so dass es einfacher wird, diesen Tee zu kaufen.

Sonntag, 13. November 2011

Test: Teebereiter Gastroback Gourmet Tea Advanced Automatic

Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit, den Tee-Vollautomaten von Gastroback (international unter der Marke Breville bekannt) testen zu können. Da ich mit dem Gastroback Wasserkocher mit Temperaturvorwahl sehr gute Erfahrungen gemacht habe, war ich gespannt darauf, was dieses Gerät kann.

Lieferumfang und Ausstattung

Geliefert wird der Gastroback Teebereiter mit Wasserkocher-Funktion* gut verpackt in einem stabilen Karton. Enthalten sind eine mehrsprachige, ausführliche Bedienungsanleitung, die Basisstation des Kochers mit beleuchtetem Display, der kabellose Wasserkocher, der separate Deckel, der Filtereinsatz mit Deckel sowie ein Tee-Maßlöffel.

Design und Materialien

Optisch erinnert der Tee-Automat mit seiner Basisstation und dem gebürsteten Edelstahl an den bereits getesteten Gastroback Wasserkocher mit Temperaturvorwahl. Allerdings macht der Glasbehälter aus hitzebeständigem Schott Duran Glas optisch schon etwas her. Der wärmeisolierte Griff am Behälter und die Füllstandanzeige scheinen aus Kunststoff zu bestehen. Der Teefilter-Einsatz ist aus Edelstahl mit einem Kunststoff-Deckel und einen gut greifbaren “Henkel”. Der Kannendeckel ist nicht am Kannenkörper befestigt, sondern wird einfach aufgesteckt. Eine elastische “Gummilippe” sorgt hier für den festen Sitz und die Dichtigkeit, vorne am Deckel ist ein Edelstahlsieb als Kalkfilter integriert.

Handhabung und Bedienbarkeit / Pro und Contra

 

Positive Aspekte

Der Teebereiter wirkt dank viel gebürstetem Edelstahl und hitzebeständigem Glaskannen-Körper gut verarbeitet. Der Griff ist angenehm groß und gut isoliert, so dass man keine heißen Finger bekommt. Die Kanne liegt gut, wenn auch etwas “gewichtig” in der Hand und sitzt fest auf der Basisstation.

Das Wasser wird dank bis zu 2.000 Watt Leistung schnell auf die gewünschte Temperatur gebracht. Im Display wird dabei kontinuierlich angezeigt, welche Temperatur gerade erreicht ist.

Das Teesieb ist ausreichend groß dimensioniert und sitzt stabil in seiner Magnethalterung. Einsetzen und Herausnehmen des Siebs ist gut gelöst: Der Kunststoff-Griff ist oben im Sieb gut erreichbar und das Sieb “schnappt” dank des Magneten beim Einsetzen quasi von selbst ein. Das Herausnehmen ist ebenfalls leichtgängig.

Das Herauf- und Herunterfahren des Siebes in das passend temperierte Waser funktioniert sehr gut und ist optisch ansprechend. Es wird über Magneten bewegt und besitzt daher keine “offene” Mechanik, die sich verhaken oder durch Kalkablagerungen blockieren könnte,

Neben guten Standardvorgaben für Temperatur und Ziehzeit sind auch individuelle Einstellmöglichkeiten vorhanden (in 5-Grad- und 30-Sekunden-Schritten bzw. über Optionen wie milder, mittlerer oder starker Tee). Temperaturvorgaben gibt es für Grüntee, weißen Tee, Schwarztee, Oolong und Kräutertee. Nach dem Aufkochen des Wasser bzw. dem Ende des Ziehvorgangs zeigt eine Zeitangabe im beleuchteten Display, wie lange der Tee schon fertig ist bzw. im Falle des Wasserkochens, wie lange es her ist, dass das Wasser gekocht hat. Die Warmhaltefunktion funktioniert bis zu einer Stunde, auch wenn das dem Tee nicht unbedingt gut tut, weil er sowieso noch nachzieht.

Da zunächst das Wasser auf die gewünschte Temperatur gebracht wird, bevor das Teesieb den Tee in das erhitzte Wasser befördert, wird der Tee durch den beim Kochen entstehenden Wasserdampf schon “aufgeweckt”. Das kann bei dem einen oder anderen Tee durchaus vorteilhaft sein, da sich z.B. manche gerollte Oolongs dabei schon leicht öffnen und dann schneller vom Wasser umspült werden können.

Das Ausgießen des Tees funktioniert gut und spritzfrei. Das Teesieb stört hierbei nicht und sitzt fest in seiner Halterung.

Kritikpunkte

Der Timer: Die zeitversetzte Teezubereitung (z.B. am nächsten Morgen) ist recht umständlich zu programmieren (zumindest, wenn das Gerät nicht dauerhaft am Strom ist): Zunächst wird umständlich wie bei alten Radioweckern die aktuelle Uhrzeit eingestellt (leider nicht als 24-Stunden-Format sondern am/pm). Anschließend wird die Startzeit eingestellt und dann der Timer gestartet. Bequem ist das nicht gerade. Zudem ist die Ziehzeit nur in 30-Sekunden-Schritten, die Temperatur nur in 5-Grad-Schritten einstellbar. Zumindest die Zeiteinstellung würde ich mir etwas flexibler wünschen

Wassermenge: Für die Teezubereitung soll laut Empfehlung des Herstellers 1 bis 1,2 Liter Wasser genommen werden, wer kleinere Mengen machen möchte: Die Minimalbefüllung von 0,5 Litern geht so gerade noch, allerdings ist dann das Sieb nur etwa zur Hälfte ins Wasser eingetaucht, was eventuell bei Früchtetee problematisch sein könnte, weil er dann auf der Wasseroberfläche schwimmt, statt komplett ins Wasser eingetaucht zu werden. Somit ist das Gerät sinnvoll nur für wahre Vieltrinker oder ab zwei bis drei Personen.

Die Reinigung der Glaskanne ist durch die Stange im Kocher-Innenraum etwas fummelig. Bei hartem Wasser sind die Kalkablagerungen am Edelstahlboden durch den Glaskörper direkt zu sehen, was optisch nicht so schön, aber unvermeidbar ist. Gleiches gilt für die bei kalkhaltigem Wasser nicht zu vermeidenden Verfärbungen des Innenraums durch den Tee. Abhilfe schafft da nur gefiltertes Wasser bzw. Reinigung durch zeitweiliges Aufkochen von verdünntem Zitronensaft bzw. Essig. Danach gut ausspülen und die Kanne sollte wieder sauber sein.

Englische Beschriftung: Ein weiteres Manko ist in meinen Augen die englische Beschriftung der Tasten sowie die englische Sprache in den Display-Meldungen. Bei einem hochpreisigen Gerät hätte ich mir hier eine deutsche Ausführung gewünscht.

Lesbarkeit des Displays: Zudem sind einige Meldungen nur erkennbar, wenn man fast senkrecht von oben auf das Display schaut. Steht der Kocher weiter hinten auf der Arbeitsfläche, sieht man die unterste Textzeile gar nicht. Das ist zwar nicht weiter tragisch, aber nicht im Sinne guter Bedienbarkeit.

Lesbarkeit der Füllstandanzeige: Auch die Füllstandanzeige ist optisch schön, aber ungünstig direkt hinter dem Griff platziert. Um sie korrekt ablesen zu können, muss man sich etwas vorbeugen, da man sonst leicht zu viel bzw. zu wenig Wasser einfüllt oder gar nicht erkennen kann, wie viel Wasser schon eingefüllt ist.

Bedienbarkeit: Die vielen Knöpfe auf der Basisstation des Teekochers sind zunächst verwirrend und erfordern ein Studium der Bedienungsanleitung. Die Grundfunktionen erschließen sich zwar schnell und fast intuitiv, aber ich hatte z.B. das Problem, dass das Teesieb während des Brühvorgangs munter rauf und runter fuhr, obwohl der Tee eigentlich durchgängig ziehen sollte. Das ließ sich dann durch einen Druck auf die “Basket”-Taste abstellen, wäre aber beim unbeaufsichtigten Brühvorgang ein starkes Manko gewesen. Hier hat der Teekocher noch nicht die Einfachheit einer Kaffeemaschine erreicht und ist nicht DAU-tauglich. Allerdings muss ich dem Gerät zugutehalten, dass der Vergleich vielleicht unfair ist und eher (auch in Anbetracht des Preises) mit einer Espressomaschine gemacht werden sollte.

Mehrfachaufgüsse: Mehrfachaufgüsse sind etwas umständlich, da man erst abwarten muss, bis der Glaskannenkörper sich wieder abgekühlt hat, bevor man kaltes Wasser nachgießen kann. Füllt man zu früh kaltes Wasser ein, läuft man Gefahr, dass der Glaskörper springt. Zudem sollte der Siebeinsatz entnommen werden, da sich das Eingießen sonst etwas schwierig gestaltet.

Mein Fazit

Der Teebereiter ist ein hübsches, aber auch hochpreisiges Gerät für technikaffine Teeliebhaber. Die Bedienung des Teebereiters ist zwar nicht ganz so einfach wie bei einer Kaffeemaschine, trotzdem können auch unerfahrene Teetrinker bzw. Kaffeetrinker nach kurzer Orientierung mit den wählbaren Vorgaben schnell einen guten Tee zubereiten: Sind erst einmal die Einstellungen Teesorte, Ziehzeit und Stärke des Tees ausgewählt, läuft der Brühvorgang vollautomatisch ab und man kann sich anderen Aufgaben widmen. Sobald der Tee fertig ist, meldet sich der Teebereiter mit einem deutlichen Signalton (mehrfaches, gut vernehmbares Piepsen).

Eine sehr gut passende Zielgruppe sehe ich daher in Büros, wo mit wenig Aufwand guter Tee für Gäste oder die Belegschaft zubereitet werden soll. Hier rechnet sich vermutlich auch die Ausgabe für dieses Gerät sehr bald.

Ein Vorteil ist auch die (leider etwas fummelig geratene) Zeitvorwahl sowie die unbeaufsichtigte Teezubereitung. So kann man sich morgens von frischem Teeduft wecken lassen und muss nicht mehr neidisch den Geschichten der Kaffeetrinker lauschen. Wer möchte, schaltet den Teebereiter einfach vor dem Duschen ein und hat nach dem Duschen den fertigen Tee in der Küche stehen.

Negativ ist für mich, dass mit dem Gastroback Teebereiter immer etwa ein Liter Tee zubereitet werden sollte, da nur dann der Teefilter vollständig ins Wasser eintaucht. Auch wenn man Tee verwendet, der mehrfach aufgebrüht werden kann (Grüntee, Oolong) ist die Handhabung nicht optimal, da man zunächst warten muss, bis Glaskanne und Sieb abgekühlt sind, um dann das Sieb zu entnehmen und Wasser aufzufüllen.

Der klassische Teegenießer allerdings wird nach anfänglicher Faszination vermutlich schnell wieder zu seiner Lieblingskanne und liebgewonnenen Gewohnheiten zurückkehren. Für mich persönlich ist die klassische Methode mit Wasserkocher, Kanne, Sieb und Teatimer einfacher und angenehmer in der Handhabung – und macht mir auch mehr Spaß: Die Wassermenge ist frei wählbar, die Ziehzeit zur Not sekundengenau oder eben “nach Gefühl” auf den Tee abgestimmt, mehrfaches Aufbrühen ist bequemer möglich und auch die Reinigung in der Regel leichter, da zur Not alles in den Geschirrspüler geräumt werden kann. Zudem lässt sich auch eine zum Tee passende Kanne wählen: Ton, Glas, Porzellan, groß oder klein. Und: Geht ein Zubehörteil kaputt, wird es kostengünstig ersetzt. Den Teebereiter müsste ich dann komplett austauschen, was ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor ist.

Wer Lust auf den Gastroback Teebereiter hat, ihn fürs Büro anschaffen oder verschenken möchte, der kann ihn z.B. bei amazon bestellen:

Gastroback Gourmet Tea Advanced Automatic*

Weitere Informationen

Hersteller-Produktvideo zum Gastroback Tea Advanced Automatic:
http://www.youtube.com/watch?v=j6VbGcholLc

Herstellerangaben zum Gerät:

  • Automatischer Tee- und Wasserkocher (2 in 1)
  • Auto-Filter Up & Down Funktion: Teefilter wird automatisch abgesenkt und wieder angehoben
  • 24 Stunden Einschalt-Timer (Auto Start)
  • 6 verschiedene Teeprogramme mit jeweils 4 Brühstärken
  • Temperatur und Ziehdauer individuell einstellbar (Custom Funktion)
  • Wassertemperatur variabel einstellbar auf 6 Stufen
  • 1,5 Liter Glasbehälter (SCHOTT DURAN)
  • Tee-Frischeanzeige und Warmhaltefunktion
  • Edelstahl-Teefilter
  • Beleuchtetes LCD Display
  • Schnelles Erhitzen (2.000 Watt Leistung)
  • Maße: B x T x H: 170 x 220 x 260 mm
  • Leistung: 230/240 V - 50 Hz, 1.850-2.000Watt
  • Gewicht: 2,4 kg
  • Artikelnummer 42439

Weitere Informationen und die Bedienungsanleitung als PDF-Datei gibt es auf der Produktseite bei Gastroback.

Bestellen bei amazon:
Gastroback Gourmet Tea Advanced Automatic*

Themenverwandte Beiträge.

Die beliebtesten Beiträge - Top 5