Werbung

Dienstag, 16. August 2011

Fragen an Teefreunde – Teil 15: Thomas Kasper

Im 15. Teil meiner kleinen Interview-Reihe “Fragen an Teefreunde” durfte ich Thomas Kasper von www.thai-tee.de meine Fragen stellen. Er hat sich mit seinem Blog und Online-Shop dem Tee aus Nordthailand verschrieben.


Thomas KasperThomas, bitte stell dich kurz vor:
Im „zarten“ Alter von 25 Jahren „entfloh“ ich einer von Abitur und Studium eigentlich gesegneten Zukunft und suchte mein Heil in Nordthailand, wo ich die folgenden 20 Jahre (Fortsetzung folgt) verbringen sollte.
Eine Nische, in der Ausländer, die nicht auf den Kopf gefallen sind, dort ihr Auskommen finden können, ist die Gastronomie. 16 Jahre lang betrieb ich ein Restaurant mit deutsch-thailändischer Küche im aufstrebenden Urlaubsort Pai, ca. 135 Kilometer nördlich von Chiang Mai, Thailands zweigrößter Stadt, in den Bergen gelegen.
Kinder, bzw. der Wunsch, diesen eine deutschsprachige Schulausbildung zu ermöglichen, trieben mich dann vor etwa vier Jahren in die „große“ Stadt, in der es eine deutsche Auslandsschule gibt. Meinen Lebensunterhalt bestreite ich seither als freiberuflicher Übersetzer.
„Auf den Tee gekommen“ bin ich erst vor etwas weniger als einem Jahr: Wie das Leben so spielt, lebte ich ganz in der Nähe eines der jüngsten Teeanbaugebiete der Welt, welches gegenwärtig auf die Weltbühne des Tees drängt und dort um die (gebührende!) Anerkennung kämpft. 
Welche Bedeutung hat Tee in deinem Leben? Welche Beziehung hast du zum Tee?
Die Entdeckung des Tees in meinem Leben begann als kommerzielle Idee: Nebst thailändischem Jasminreis, besonders gutem Knoblauch und einigen wenigen anderen Agrarprodukten gehört Tee zu den wenigen Dingen, die in Thailand hergestellt werden und die im internationalen Wettbewerb qualitativ konkurrenzfähig sind.
Ich hatte lange nach einem solchen Produkt gesucht, wollte mir an den großen, etablierten und von gigantisch großen Playern beherrschten Markt für die anderen oben genannten Güter nicht die Finger verbrennen und war begeistert von dem Gedanken, mit Tee aus Nordthailand eine Nische entdeckt zu haben, von der ich überzeugt war, dass sie bei den Teefreunden überall auf der Welt schon bald in aller Munde sein würde.   
Was ist für dich das Besondere am Tee?
DAS Besondere am Tee gibt es für mich nicht. Es ist eine Vielzahl teilweise subtiler und auch transzendenter Aspekte, die eine der größten Segnungen unseres Planeten, Tee, zu etwas ganz Besonderem machen. Immer, wenn ich einen solchen Aspekt irgendwo beobachte, versuche ich ihn in einen kurzen Satz zu fassen und stelle ihn dann in meinen „Thailand Tee Blog“ (www.thai-tee.de), um ihn nicht wieder zu vergessen. Am einfachsten daher hier die bisherige Sammlung der „kurzen Worte zum Tee“ (wird ständig fortgesetzt, mir fallen da immer neue Dinge ein …):
Tee ist ...
  1. Die exakte Mitte zwischen allen Extremen.
  2. Das konservative Element in der Revolution.
  3. Eine ECHTE Chance für Reflektion und Besinnung.
  4. Die Vielfalt und Tiefe der subtilen Feinheit
  5. Ein Kontrapunkt zur modernen Schnelllebigkeit
  6. Beständigkeit in einer Welt, in der sonst kaum noch etwas Gutes Bestand zu haben scheint.
  7. Eine rundgeformte Schäfchenwolke im blauen Sommerhimmel.
  8. Morgen- und Abenddämmerung, Grenze zwischen Tag und Nacht, Licht und Dunkel
  9. Ein positives Unterscheidungskriterium zu allem anderen.
  10. Ein Luxus, der keinen Reichtum erfordert.
  11. Eine Brücke des Verstehens zwischen verschiedensten Zungen.
  12. Der mögliche Beginn von Gemeinsamkeit
  13. Das Schließen einer Tür zwischen dir und der Welt
  14. Der Glaube an den Reichtum des Augenblicks
  15. Ein Ruhepol im Chaos ständiger Bewegung
  16. Ein neutrales Verhandlungsmedium
  17. ein Spiegelbild seiner Erde, seiner Luft, seines Wassers und seiner Sonne
  18. Deine Zeit
     
Wann hattest du den ersten Kontakt zum Tee und welcher Tee war das?
Vor etwa 8 oder 9 Monaten. Ich besuchte die chinesische Stadt Doi Mae Salong in den Bergen Nordthailands, eigentlich mehr aus allgemeinem Interesse, und fand mich an einem Ort wieder, der praktisch durch Tee atmet: Tagelang durchstreifte ich in Folge die Tee-Shops der Stadt, in denen man IMMER auf einen Tee eingeladen ist. Ich lernte dort einen Tee kennen, von dem ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal gewusst hatte, was das eigentlich war: Formosa Oolong Tee.
Was hat sich seitdem in deinem Verhältnis zum Tee geändert?
Aus der kommerziellen Idee wurde sehr schnell eine persönliche Leidenschaft (ohne die hätte auch der kommerzielle Gedanke die anfängliche Begeisterung nicht überlebt). Das Verhältnis, das ich mittlerweile zu Tee entwickelt habe, geht ebenfalls am besten aus den 18 obigen Sätzen hervor. Tee spielt heute eine große und sehr wichtige Rolle in meinem täglichen Leben.
Was war dein schönstes Tee-Erlebnis?
Mein schönstes Tee-Erlebnis liegt schon viele Jahre zurück. Ich verbrachte damals eine Woche in einem Dorf eines in Nordthailand ansässigen Bergvolkes, den Muser/Lahu, fernab befahrbarer Wege und viele Kilometer unwegiges Gelände weit weg von der nächsten Stromleitung.
Meine Gastgeberfamilie unterhielt rund um die Uhr ein Feuer mitten im „Wohnzimmer“ (das einzige Zimmer) ihrer Bambusbehausung und am Abend saßen immer alle um dieses Feuer herum, auf dem allgegenwärtig ein Kessel mit einheimischem Tee saß. Der war zwar immer so dünn, dass er fast nach nichts schmeckte, aber er stellte ein Band her zwischen den Menschen, die an diesem Feuer saßen. Er stellte am Abend einen Ort dar, den man aufsuchen konnte, wo sonst alles dunkel war und es keine Orte gab, die man aufsuchen konnte. Man traf dort Menschen (ALLE Menschen, die in dieser kleinen Welt präsent waren), man fand Kommunikation, Spaß, Unterhaltung. Im Zentrum von all dem stand der Teekessel. Der nach fast nichts schmeckende Tee bildete das Medium für das GESAMTE soziale Geschehen! Ein unvergesslicher Eindruck.
Was ist dein Lieblings-Tee, was ist das Besondere daran und wie bereitest du ihn zu?
Ich postete einmal in einem Tee-Forum die Beschreibung eines „Einsame Insel“-Szenarios, in dem alles darauf hinauslief, dass man sich entscheiden musste, welchen Tee man dorthin mitnehmen wolle ... letztlich eine etwas komplexere Umschreibung der Frage: Was ist dein Lieblingstee?
Nun, der Post hielt sich eine ganze Weile (es gibt ihn immer noch: im (tollen!) Tee-Forum unter www.teetalk.de) und eine Menge Leute hatten Schwierigkeiten sich zu entscheiden. Nun, ich selbst begann mit dem Formosa Oolong Nr. 17 aus Nordthailand und endete vor 2 oder 3 Monaten mit der nordthailändischen Schwarztee-Novelty … ein Glück muss ich nicht wirklich auf die einsame Insel und mich für einen Tee entscheiden.
Wann und wo trinkst du am liebsten Tee?
Zuhause. Immer zuhause und eigentlich nur zuhause. Einzige Ausnahme sind chinesische Tee-Shops in Doi Mae Salong und Doi Wawee und das Haus des Shan-Tee-Bauern an der Thai-Burmesischen Grenze in der Provinz Mae Hong.
Welches ist dein liebstes Tee-Zubehör?
Taiwanesische Tonkanne mit Drachenmotiv, Glaskannen, kleine runde henkellose asiatische Keramik-Teeschalentasse, kleine chinesische Tee-Tischchen zum auf-den-Tisch-stellen mit Einschubfach unten für das (nicht ohne Absicht) über die Kanne und auch daneben gegossene Teewasser. ALLES passt auf so ein Tischchen und man kann darauf „wutzen“ wie die Chinesen …
Was ist dein Lieblingsbuch zum bzw. über Tee?
Ich lese immer mal wieder mit besonderer Hingabe im Lu Yu – Cha Ching*, so irrelevant die dort vertretenen Ansichten heute sogar in der „Teewelt“ sein mögen.
Was ist dein Lieblings-Zitat zum Thema Tee?
Meine bisherigen 18 „kurzen Worte zum Tee“. Dem hinzuzufügen wären 5 Worte aus dem Lu Yu – Cha Ching: „Die Natur des Tees ist bescheiden …“
Wen würdest du gerne einmal zum Tee einladen und welchen Tee würdest du servieren?
Leonard Cohen, etwas koffeinarmes …
Was möchtest du sonst noch zum Thema Tee erzählen, das ich vergessen habe zu fragen?
Puh, hab‘ ich nicht schon zuviel geredet…?
Ganz und gar nicht. - Vielen Dank für das Interview, Thomas!

Sonntag, 14. August 2011

Fragen an Teefreunde – Teil 14: Sandy Taikyu Kuhn Shimu

Teil 14 meiner kleinen Interview-Reihe “Fragen an Teefreunde” kam zustande, weil ich gerade das neu erschienene Buch “Mit Buddha Tee trinken – Eine Einführung in die chinesische Teezeremonie”* lese. Sandy Taikyu Kuhn Shimu ist die Autorin dieses Buches und hat sich ganz spontan bereit erklärt, meinen Fragebogen zu beantworten.

Frau Kuhn, bitte stellen Sie sich kurz vor:
Mein Name ist Sandy Taikyu Kuhn. Ich bin 39 Jahre alt und wohne, lebe und arbeite in Zürich. Mit meinem Mann gründete und leite ich seit 1998 die WU LIN Organisation in der Schweiz. Ich unterrichte vollberuflich Kampfkunst, ZenYoga und ZenMeditation und führe Menschen in die Kunst der chinesischen Teezeremonie "Gong Fu Cha" ein.
Sandy Taikyu Kuhn Shimu / Foto (c) Li-Jiao Sauder-Lü
Meiner Tätigkeit als Lehrerin verdanke ich viele lehrreiche und inspirierende Ausbildungs- und Studienaufenthalte in China, Taiwan, den Philippinen, Indien und Sri Lanka. Ich mag die asiatische Lebenskunst und genieße die besinnlichen Teestunden, um zu philosophieren. Ich schätze den Umgang mit Gleichgesinnten, mag aber auch konstruktiv-kritische Gesprächspartner, die mich zum Nachdenken anregen. Ich liebe es zu schreiben. Als praktizierende Zen-Buddhistin ist es mein Wunsch, die Kampfkunst als Lebenskunst leben und unterrichten zu können.
Welche Bedeutung hat Tee in Ihrem Leben? Welche Beziehung haben Sie zum Tee?
Tee ist mein ständiger Begleiter. Es vergeht kein Tag ohne meine Tasse Tee und die Gespräche, die Muße und die Harmonie und die tiefe Zufriedenheit, die daraus entstehen.
Wenn man sein Leben ändern möchte, ist es ratsam bei der Zubereitung des Tees zu beginnen. Denn in jeder Schale Tee steckt der Geschmack der ganzen Welt. Eine Tasse Tee bringt dich deiner wahren Natur näher. Das setzt natürlich voraus, dass man sich der Wechselwirkung von körperlichen Handlungen und den Aktivitäten des Geistes bewusst sein möchte.
Was ist für Sie das Besondere am Tee?
Der Geschmack und die gesundheitsfördernden Eigenschaften sind für mich nur ein Teilaspekt, der Tee zu etwas Besonderem macht. Mich fasziniert zum Beispiel sehr, dass eine chinesische Teezeremonie Menschen vereint, sie zu Achtsamkeit und schöpferischen Gesprächen motivieren kann.
Wann hatten Sie den ersten Kontakt zum Tee und welcher Tee war das?
Wenn ich mich recht erinnern kann, war das 1993, als ich mit der chinesischen Kampfkunst begann. Der Weg des Tees und der Weg der Kampfkunst sind untrennbar miteinander verbunden und spielen noch heute in der chinesischen Kultur und in der Tradition der Kampfkunst eine tragende Rolle.
Was hat sich seitdem in Ihrem Verhältnis zum Tee geändert?
Die Beziehung zum Tee und das Wissen über den Tee haben sich vertieft. Tee ist für mich mehr als nur ein Getränk. Wenn ich vom Geist oder von der Seele des Tees spreche, dann verbirgt sich dahinter eine ganze Philosophie, eine Kunst, ein Weg. Sie und ich, wir können Tee mit all unseren Sinnen erfahren und genießen. Denn der Teeweg lehrt uns Geduld, Achtsamkeit, Respekt und Dankbarkeit.
Was war Ihr schönstes Tee-Erlebnis?
Das kann ich so nicht beantworten. Es gab zahlreiche Erlebnisse, die mich auf dem persönlichen Teeweg inspiriert, unterstützt und begleitet haben. Jede Begegnung ist wertvoll und ich bin für jede Erfahrung zutiefst dankbar.
Was ist Ihr Lieblings-Tee, was ist das Besondere daran und wie bereiten Sie ihn zu?
Ich bevorzuge Oolong-Tee aus Taiwan. Er begeistert mich durch seinen starken Charakter. Am liebsten bereite ich ihn ganz traditionell mit der chinesischen Teezeremonie, der Zwei-Kannen-Methode, zu.
Wann und wo trinken Sie am liebsten Tee?
Teetrinken ist zu einem alltäglichen Ritual für mich geworden. Ich genieße die Teestunden am Nachmittag oder am Abend in gemütlicher Atmosphäre egal ob zu Hause, in unserer Schule oder im Ausland.
Welches ist Ihr liebstes Tee-Zubehör?
Grundsätzlich das gesamte Teezubehör für "Gong Fu Cha". Wenn ich mich aber nur für ein Zubehör entscheiden darf, dann ist das auf jeden Fall die Teekanne!
Was ist Ihr Lieblingsbuch zum bzw. über Tee? Welche Musik passt für Sie zu einer schönen Teestunde?
Das Tao des Teetrinkens von John Blofeld* finde ich ein sehr empfehlenswertes Buch. Vor vielen Jahren, auf einer meiner Reisen durch Taiwan, habe ich von meinem Teemeister eine CD mit Teemusik mit dem Titel "Alishan" geschenkt bekommen. Leider ist diese CD nicht im Handel erhältlich.
Was ist Ihr Lieblings-Zitat zum Thema Tee?
"Der Geist des Tees ist wie der Geist des Tao - er strömt spontan, wandert hierhin und dorthin und widersetzt sich keinem Zwang.” (Chinesisches Sprichwort)
Wen würden Sie gerne einmal zum Tee einladen und welchen Tee würden Sie servieren?
Gerne würde ich den Dalai Lama und Eido Shimano Roshi gemeinsam zu einer chinesischen Teezeremonie einladen und selbstverständlich Oolong-Tee, ich denke einen vorzüglichen Lishan aus Taiwan, servieren.
Was möchten Sie sonst noch zum Thema Tee erzählen, das ich vergessen habe zu fragen?
Ich würde mir von Herzen wünschen, dass die Menschen öfter bereit dazu wären, Ihre geistige Schale zu leeren, ganz wie in der nachfolgenden Geschichte:
Ein westlicher Gelehrter der Philosophie begab sich auf eine Bildungsreise in den Osten. Er war davon überzeugt, in einem der abgelegenen Tempel in den Bergen bei einem großen Zen-Meister Antworten auf all seine Fragen zu erhalten. Voller Vorfreude und mit großen Erwartungen im Gepäck betrat der Gelehrte den Tempel. Der Zen-Meister begrüßte den Fremden höflich und bat ihn, an einem kleinen Tisch Platz zu nehmen. Mit unzähligen Fragen im Kopf über die Welt, den Sinn des Lebens und die Techniken zur Meditation und zur Entwicklung der eigenen Spiritualität wartete der Mann ganz ungeduldig auf den Meister. Der hatte sich entschuldigt und erklärt, dass er zuerst Tee kochen werde, bevor er dem Gast Rede und Antwort stehen werde. Der Fremde wurde immer ungeduldiger. »Ich habe doch nicht den weiten Weg auf mich genommen, um nun Tee zu trinken«, dachte er leicht verärgert. »Wahrscheinlich ist das gar kein wahrer Meister«, und er sah sich schon enttäuscht den Heimweg antreten, mit all seinen unbeantworteten Fragen. Er hatte diesen Gedanken kaum zu Ende gedacht, da stand der Zen-Meister vor ihm und goss den frisch aufgebrühten Tee in eine von Hand verzierte Tasse. Doch nicht wie üblich stoppte der Meister den Vorgang, sondern er goss den Tee immer weiter ein. Die Tasse lief über und der Tee tropfte auf den Boden. »Halt«, schrie der westliche Gast, »sehen Sie denn nicht, dass die Tasse schon übervoll ist?« »Richtig«, erwiderte der Zen-Meister, »diese Tasse ist genauso voll wie dein Kopf mit Erwartungen, Vorstellungen und Meinungen! Wie soll ich dich etwas lehren? Geh, und komme erst wieder, wenn deine Tasse leer ist!«
Herzlichen Dank für das Interview, Frau Kuhn, und ich wünsche Ihnen viele Leser für Ihr Buch!

Wer neugierig auf Frau Kuhns Buch zur chinesischen Teezeremonie geworden ist, kann es im Buchhandel oder bei amazon bestellen:
Sandy Taikyu Kuhn Shimu, Mit Buddha Tee trinken – Eine Einführung in die chinesische Teezeremonie*
Themenverwandte Beiträge

Besonders beliebte Beiträge

Werbung

Aktion Deutschland Hilft