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Dienstag, 19. Juli 2011

Fragen an Teefreunde – Teil 13: Thomas Zimmermann, Teealternative.de

In Teil 13 meiner kleinen Interview-Reihe “Fragen an Teefreunde” habe ich Thomas Zimmermann befragt, der Anfang 2010 mit seinem Projekt Teealternative.de gestartet ist. Seine Teealternative bietet ausschließlich Assam-Tees als Direktimport an - ganz ähnlich wie es die bekannte Teekampagne mit Darjeeling-Tee seit vielen Jahren tut.

Thomas-Zimmermann

Herr Zimmermann, bitte stellen Sie sich kurz vor:

Ich heiße Thomas Zimmermann, bin verheiratet und habe drei längst erwachsene Töchter. Aufgewachsen und zur Schule gegangen bin ich in Berlin. Gleich nach dem Abitur ging ich wegen einer Berufsausbildung nach München - das ist nun schon 40 Jahre her.

Nach der beruflichen Ausbildung absolvierte ich an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ein BWL-Studium. Nach dem Diplom startete ich als selbständiger Kaufmann mit einem Textilimport und -vertrieb. Meine Devise war immer: Der Kunde soll ja keine Klinke in die Hand nehmen müssen. Der Verkauf fand in einem offenen Verkaufsstand auf Schwabings Leopoldstraße und einem weiteren in der Innenstadt statt.

Kurze Zeit später mischte ich mich außerdem unter's "fahrende Volk": Ich handelte mit Kindermode auf Jahrmärkten, vorwiegend in Süddeutschland. Ende der 80er Jahre wechselte ich als freier Mitarbeiter in eine total andere, neue Sparte: die Finanzdienstleistungen. 20 sehr interessante, ereignisreiche Jahre!

Nachdem ich längere Zeit "Teekampagne"-Kunde war (und noch immer bin), ich aber keine Lust hatte 360 Tage im Jahr Darjeeling-Tee zu trinken, gründete ich Anfang 2010 die "teealternative" als Direktimport und Internetvertrieb.

Mitte August steigt ein riesen Fest: da werde ich 60. Mein Hobby ist Motorradfahren, am liebsten an den Gestaden des Mittelmeeres.

Welche Bedeutung hat Tee in Ihrem Leben? Welche Beziehung haben Sie zum Tee?

Tee ist irgendwie zu einem Lebenselixier für mich geworden. Sicher bin ich kein "Tee-Sommelier". Trotzdem trinke gerne und viel Tee: morgens und nachmittags eine große Kanne.

Was ist für Sie das Besondere am Tee?

Nun, Tee tut mir einfach gut. Der erste Gang am Morgen führt in die Küche, den Wasserkocher einschalten. Erst wenn ich ein paar Tassen Tee intus habe, bin ich "vernehmungsfähig", werd' ich wach!

Wann hatten Sie den ersten Kontakt zum Tee und welcher Tee war das?

Oh Gott, das muss ewig her sein. In den 70ern war es allerdings noch ganz normal, Beutel-Tee zu trinken. Erst nach und nach wurde Tee zu einem “kultivierteren” Getränk und man begann, losen Tee in den neu auf den Markt kommenden Tee-Boutiquen zu kaufen. Ich hatte immer schon ein Faible für kräftige Tees mit rotgoldener Tasse.

Was hat sich seitdem in Ihrem Verhältnis zum Tee geändert?

Mit der Zeit wurde ich kritischerer und bewusster Teetrinker. Ich probierte Tees verschiedener Provenienzen. Ich merkte auch, dass es beim Tee ganz entscheidend auch auf das Wasser ankommt. Inzwischen verwende ich ausschließlich gefiltertes Wasser. Nicht weil das gesünder wäre, sondern weil der Tee besser schmeckt und die Tasse klar bleibt.

Was war Ihr schönstes Tee-Erlebnis?

Morgens, es muss so gegen 6:30 - 7 Uhr gewesen sein, in Darjeeling, eine Tasse erntefrischen, von einheimischen zubereiteten Darjeeling-Tee in der Hand, am offenen Fenster mit Blick auf den Kanchenchonga (Himalaya), mit 8.586 m der dritthöchste Berg der Welt. Atemberaubend!

Was ist Ihr Lieblings-Tee, was ist das Besondere daran und wie bereiten Sie ihn zu?

Mein Lieblingstee? Assam, aus den höher gelegenen Plantagen im Nordosten des Brahmaputra-Tales - wenn er nicht gespritzt ist und von Leuten, die wirklich was von Tee verstehen, hergestellt wurde. Es ist wie beim Wein: Die Lage und das Anbaugebiet sind genauso entscheidend, wie die Erfahrung und die Hingabe des Winzers!

Ich gebe den losen Tee in eine Glaskanne, übergieße ihn mit kochendem, gefiltertem Wasser, wenn die Kanne voll ist, stelle ich die 'Eieruhr' auf drei Minuten, rühre den Tee während der 3 Minuten mehrmals um und gieße den Tee dann durch ein Sieb in eine Thermokanne bzw. in mein Teeglas.

Wann und wo trinken Sie am liebsten Tee?

Eigentlich zu jeder Tageszeit - wenn es guter Tee ist. Wo? Überall.

Welches ist Ihr liebstes Tee-Zubehör?

Mein Reisewasserkocher, der fehlt auf keiner Motorradtour oder sonstigen Reise.

Was ist Ihr Lieblingsbuch zum bzw. über Tee? Welche Musik passt für Sie zu einer schönen Teestunde?

Das Buch “Tee” von Tilmann Schempp* finde ich informativ, hübsch gemacht ist es zudem.

Mittlerweile ist die schönste Musik für mich die Stille. Das “Musikhören” habe ich mir weitestgehend abgewöhnt. Die Omnipotenz von Musik empfinde ich mehr und mehr als akustische Umweltverschmutzung.

Wenn ich allerdings Musik höre, dann Klassik. Ich liebe die polyphone Musik des Barock, z.B. Händel, Bach, Telemann etc.

Was ist Ihr Lieblings-Zitat zum Thema Tee?

“Das Wesen des Tees ist Harmonie, Klarheit und Wahrheit.”
Shui Xiang Shang Ti

Wen würden Sie gerne einmal zum Tee einladen und welchen Tee würden Sie servieren?

Prof. Faltin aus Berlin, servieren würde ich einen guten Assam - was sonst?

Was möchten Sie sonst noch zum Thema Tee erzählen, das ich vergessen habe zu fragen?

Ich finde es bemerkenswert, wie sich Tee auf seinem Weg aus den Anbaugebieten nach Mitteleuropa, zu den Konsumenten verteuert. Außerdem finde ich es eine riesen Sauerei, dass es hierzulande kein Gesetz gibt, das die “Inverkehrbringer” von Tee dazu verpflichtet, dass in die Packungen ausschließlich der Tee hineinkommt, dessen Herkunftsname auch auf dem
Etikett steht. Wo Assam oder Darjeeling draufsteht, muss dieser Tee auch drin sein - und zwar zu 100 %!

Vielen Dank für das Interview, Herr Zimmermann, und viel Erfolg mit Ihrem Projekt Teealternative.de!

Samstag, 16. Juli 2011

Der Kreis schließt sich – meine Reise zum Tee

Tee trinke ich, solange ich denken kann. Gestern Abend, mit einem China Long Yuan Golden Monkey aus Fujian in der Tasse, kam mir der Gedanke, dass ich seit meiner Kindheit eine Art Rundreise durch die Teewelt mache:

Tee von Teehandel Kolodziej  & Lieder OHGVon den ersten Frühstücks-Beutel-Tees aus dem Supermarkt, weiter über die aromatisierten Tees in der Jugendzeit hin zu den “puren” Teesorten allerbester Qualität. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die tollen Teeproben, die ich in den letzten Wochen von Natalia Panne (www.tea-exclusive.de), Torsten Sukrow, (www.tea-and-tea.de), Kwok Ying von Beuningen (www.diekunstdestees.com), Stefan Kolodziej (www.kolodziej-lieder-shop.de) und Thomas Zimmermann (www.teealternative.de) bekommen habe! Ihr – und viele weitere Teefreunde – seid meine virtuellen Reiseführer auf meinem Tee-Weg, die mir mit Rat und Tipps zur Seite stehen.

Meine Reise fing in jungen Jahren an mit den Ostfriesen-Mischungen, die mit ihren malzig-kräftigen Aromen herrlich mit Kluntje und Sahne harmonieren und als Begleiter zu Frühstück und Kuchentafel ideal sind. Irgendwann ging es weiter zu den Second Flush Darjeelings, die feiner und milder in der Tasse sind, aber trotzdem vollmundig im Geschmack. Dann hin zu den First Flush Darjeelings, die frühlingshaft spritzig den Gaumen erfreuen. Von dort gab es immer wieder kurze Abstecher zu den Grüntees aus Japan und China, die grasig frisch und saftig, manchmal aber auch etwas herb sein können.

Auf der nächsten Station meiner Tee-Reise begegneten mir die ersten Oolong-Sorten, die als halbfermentierte Tees besonders blumig, duftig und zart die Sinne umschmeicheln. Hier entdeckte ich dann auch meinen ersten Oriental Beauty, der mit fantastischen Fruchtaromen brillierte.

Nach Ausflügen zu Milky Oolong und Matcha, geht meine Reise momentan weiter zu den chinesischen Schwartzees aus Yunnan und Fujian, deren beste Vertreter mich mit ihrer Milde und intensiven malzigen Süße begeistern, die manchmal schon im trockenen Blatt zu erschnuppern ist. Meine beiden derzeitigen Favoriwww.teealternative.deten: Yunnan Gold Dian Hong Needle und Yin Jun Mei.

Nachdem ich gerade einige weitere Vertreter dieser “roten” Tees probieren durfte, erinnern diese mich mit ihren malzigen Aromen an meine Zeiten mit dem Ostfriesen-Tee, der ja als Tee-Mischung zum großen Teil aus Assam- und Ceylon-Tees besteht. Und eine gewisse geschmackliche Verwandtschaft ist für mich nicht zu verleugnen.

So schließt sich der Kreis meiner Tee-Reise allmählich, wird doch die nächste Station mich vermutlich zu den Assam- und Ceylon-Tees führen, bei denen es abseits von Ostfriesen-Mischungen auch einige Top-Tees zu entdecken gilt.

Einerseits mache ich also eine Rundreise durch die Teewelt – andererseits kehre ich mit neuen Erfahrungen und viel mehr Vergleichsmöglichkeiten zurück zu meinen “Ursprüngen”. Und ich weiß jetzt mit Bestimmtheit: Tee ist unglaublich vielfältig und abwechslungsreich.

Es gibt nicht den einen Tee, der alle begeistert – aber es gibt sehr viele, sehr gute Tees, die es zu finden und entdecken gilt, abseits von Supermarkt-Regalen und Tee-Shops mit aromatisierten Tees, die schon mehrere Kilometer gegen den Wind zu riechen sind. Und so freue ich mich schon auf meine nächsten Entdeckungen auf meiner Reise durch die große Tee-Welt!

Functional Drinks mit Alibi-Tee

Mit viel Tam-Tam werden derzeit “Functional Drinks” beworben. So zum Beispiel “vitamizzer”, wo mit “wertvollen Zusatzstoffen” wie Vitaminen und Tee geworben wird. Das macht neugierig und kling ja so gesund, wenn man den Presse-Werbe-Text liest:

“In den USA und in europäischen Nachbarländern sind gesunde Vitaminwasser schon lange total angesagt, nur in Deutschland gab es bislang kein Wasser, das uns hierbei auf den richtigen Geschmack gebracht hat. Das ändert sich jetzt. Und zwar gleich mit vier frischen Geschmacksrichtungen.”

vitamizzer Functional Drinks

Eine dieser Sorten nennt sich “CHILL” und wirbt mit “Grüner Tee, Ginseng und Apfel” sowie “Vitamin C, B12 und Magnesium”. Das klingt doch toll und gesund, oder? “Kalorien- und von Natur aus fettarm” steht auch noch drauf. Aber was ist drin, wenn man sich die (wie immer klein gedruckte) Zutatenliste auf dem Etikett genauer anschaut:

“Natürliches Mineralwasser, Fruktosesirup, Säuerungsmittel Citronensäure, Magnesiumcarbonat, Vitaminmischung: Vitamin C, Viotin und Vitamin B12; Grüntee-Extrakt (0,04%), Süßstoffe Natriumcylamat, Acesulfam-K, Aspartam (enthält eine Phenylalaninquelle) und Saccharin-Natrium; natürliches Aroma, Ginsengextrakt (0,005%), färbendes Konzentrat aus Saflor, Farbstoff Patentblau V.”

Na toll, 0,04% Grüntee-Extrakt und 0,005% Ginsengextrakt. Hauptbestandteil Mineralwasser mit jeder Menge Fruktose-Sirup, keine Spur von Apfelsaft – nur “Apfelgeschmack” aus was auch immer …

Nein, da ist mir komplett die Lust vergangen, diesen “Functional Drink” auch nur zu probieren. Zuckerwässerchen mit Farbstoffen gibt es schon zur Genüge. Da mache ich mir doch lieber einen richtigen Tee und trinke eine Apfel-Schorle, die ich mir selbst mische!

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