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Stephan Kockmann

Bücher-Tipps für Teefreunde

Auf dieser Seite findest du alle Beiträge zu Tee-Büchern und Interviews mit Tee-Buch-Autorinnen und -Autoren, die bisher im Tee-Tagebuch.de veröffentlicht wurden. Viel Spaß bei der Lektüre!

Kleine Einführung in die chinesische Teezeremonie

(Gastbeitrag von Kwok Ying von Beuningen, www.diekunstdestees.de)

Die chinesische Teezeremonie wird um genau zu sein Gong Fu Cha (Kung Fu Cha) genannt. "Gong Fu" oder “Kung Fu” meint in diesem Fall nicht den Kampfsport, den viele mit diesem Begriff verbinden. Es ist vielmehr die Perfektion gemeint, welche es durch Erfahrung und intensive Übung zu erreichen gilt. So hat jeder Teemeister seine persönlichen Vorlieben und seinen eigenen Stil, welcher mit der Philosophie und Kultur des Tees verbunden wird. Oberstes Ziel ist es, eine perfekte Tasse Tee zuzubereiten.

Grundlagen der chinesischen Teezeremonie

Gaiwan und Teeschälchen

Atmosphäre

Für die Teezeremonie wird eine ruhige Umgebung bevorzugt, da sie eine bessere Konzentration auf die Teezubereitung und die Verkostung des Tees ermöglicht.

Geschirr (Basis-Ausstattung)

  • Wasserkocher
    Ideal sind zwei Wasserkocher: Einer um das “normale” Wasser zu kochen und ein kleinerer (ca. 500 ml oder kleiner), um das Wasser wieder auf die gewünschte Temperatur zu erwärmen.
  • Gaiwan oder Teekännchen
    Die am häufigsten genutzte Größe ist ca. 100 bis 160 ml.
  • Teetässchen (plus Riechbecher für die taiwanesische Art)
    Eine häufig genutzte Größe ist 25 bis 80 ml (je nach Teesorte).
  • Tee-Besteck*
    Das sind Teelöffel, Teenadel, Teezange, Teespachtel, Teetrichter und Geschirrhalter. Der wichtigste Teil dieses Sets ist der Teelöffel, mit dem man die Teeblätter aus der Teedose entnehmen kann.
  • Pitcher, Krug oder Servier-Kanne
    Eine gleichmäßige Verteilung des Tees in jedes einzelne Teetässchen ist besonders wichtig. Denn nur dann stellt man sicher, dass jeder Gast ein von der Teebasis her gleichmäßiges Geschmackserlebnis hat. 
  • Sieb und Siebständer
    Das Sieb stellt sicher, dass die kleinen Teeblätter nicht in die Tasse gelangen.
  • Teetuch
    Das Teetuch dient dazu, die “Umgebung” der Teezubereitung sauber zu halten. [Anmerkung der Redaktion: Ein neutrales Trockentuch oder kleines Gästehandtuch reicht für den Anfang.]
  • Teetisch*
    Ein Teetisch ist ideal, um eine saubere und ordentliche Oberfläche zu schaffen und überschüssiges Wasser bei der Zubereitung des Tees aufzufangen. Zusätzlich bietet er auch eine ideale Plattform für die Präsentation des Teeservice.



Was ist eigentlich ein Gaiwan?

Im Grunde genommen ist der Gaiwan eine Schale mit Untertasse und Deckel. Er hat ein sehr einfaches Design für seinen "one-for-all"-Zweck. Ohne die Untertasse und den Deckel ist es auch die älteste Form dieses Utensils in der Geschichte. Eine direkte Übersetzung für Gaiwan ist “eine Schale mit einem Deckel”. Man kann es sowohl als normale Tasse wie auch zur Zubereitung des Tees verwenden. Jeder Teil des Gaiwan hat seine eigene Funktion:

Der Deckel Der Deckel ist nicht nur für das Zudecken der Teetasse, um die Temperatur in der Tasse zu halten, sondern wird auch als "Sieb" verwendet, um die Teeblätter beim Ausgießen oder Trinken zurückzuhalten (wenn man direkt aus den Gaiwan trinkt).

Die Schale Die Schale ist der Hauptteil des Gaiwan, welcher die Teeblätter und das Wasser aufnimmt. Im Unterschied zu einer normalen Schale ist der Rand des Gaiwan leicht nach außen gebogen. Neben einem eleganten Design hat das auch den praktischen Zweck, Verbrennungen an unseren Fingern zu vermeiden. Denn während der Tee-Zeremonie wird der Gaiwan auch oft als Teezubereitungsgefäß genutzt. Und dank dieses Designs kann man ihn mit Daumen und Mittelfinger halten, um den Tee auszugießen oder zu servieren.

Die Untertasse Sie wurde später als ein Teil des Gaiwan-Designs hinzugefügt. Wie bereits erwähnt, dient der Gaiwan auch als eine normale Teetasse und man kann den Tee direkt in ihm servieren. Hierbei verhindert die Untertasse, dass sich die Gäste an dem Gaiwan die Finger verbrennen.

[Anmerkung der Redaktion: Der Gaiwan soll auch sinnbildlich für die Verbindung von Erde, Mensch und Himmel stehen. Die Untertasse symbolisiert die Erde, die Schale steht für den Menschen und der Deckel für den Himmel. Ein schöner Gedanke, wie ich finde, ist doch der ganze leckere Tee im “Menschen”.]

Anleitung zur Teezeremonie (mit Gaiwan)

Wenn du Gäste hast oder für dich selbst Tee auf chinesische Art zubereitest, ist der Gaiwan eine gute Möglichkeit. Zusätzlich verwendet man einen “Teehalter”, um die trockenen Blätter nicht nur zu präsentieren sondern auch leichter in den Gaiwan umzufüllen. Der Teehalter ist einem kleinen Teller ähnlich, nur dass der linke und rechte Rand nach oben gerollt sind, und somit die eben beschriebene Trichterfunktion erfüllen kann.

[Anmerkung der Redaktion: Alternativ zum “Teehalter” kannst du die Teeblätter z.B. auch in einem kleinen Schälchen präsentieren oder in dem wie eine kleine Schaufel geformten Teelöffel des Teebestecks.]

Schritt 1: Bring das Wasser zum Kochen. Je nach Region kann das Wasser zu “hart” für Tee sein und somit einen negativen Effekt auf den Geschmack ausüben. Daher empfehlen wir in solchen Fällen das Wasser zu filtern oder beim Wasser kochen einen Papierfilter hinzuzugeben, welcher das Wasser „enthärtet“.  

Schritt 2: Nimm die Teeblätter mit dem Teelöffel aus der Teedose und fülle sie in einen Teehalter um. So lassen sich die Blätter bewundern und man kann ihren Duft genießen.

Schritt 3: Erwärme den Gaiwan, die Teeschälchen und den Krug mit kochendem Wasser.

Schritt 4: Nimm die Teeblätter und füll die gewünschte Menge in den vorgewärmten Gaiwan. Lass die Gäste die Blätter nochmals riechen. Das Aroma wird durch die Wärme und den Dampf intensiviert.

Schritt 5: Zu Beginn gibst du das kochende Wasser über die Teeblätter, um es sofort wieder abzugießen. Dieser Prozess ist besonders aus den folgenden Gründen wichtig:

  • Oolong-Tee: So öffnen sich die fest gerollten Blätter für einen besseren Genuss.
  • Puer (Pu Erh) oder andere (lang) gelagerte Tees: Zum Reinigen und Entfernen von ungewünschten Gerüchen oder Geschmack, welche durch Lagerung entstehen können.

[Anmerkung der Redaktion: Oft wird dieses erste kurze Aufbrühen auch als “Waschen” oder “Aufwecken” des Tees bezeichnet.]

Wenn der Tee schon sehr “alt” ist, kann man diesen Prozess bis zu 3 Mal wiederholen. Falsch gelagerter Tee kann dadurch sogar eventuell gerettet werden.

Bei grünem, weißem oder „tippy“ Tee ist dieser Prozess optional und nur mit Vorsicht zu verwenden, denn 

  1. das meiste Aroma und der beste Geschmack ist schon in dem ersten und zweiten Aufguss enthalten.
  2. die Teeblätter sind meist junge Triebe oder Blattknospen, so dass die hohe Wassertemperatur den delikaten und feinen Geschmack, das Aroma und die wertvolle Inhaltsstoffe zerstören kann.

Schritt 6: Das „Abwasser“ kann man zum Erwärmen der Schälchen nutzen und auch so lange drin lassen bis der trinkfertige Tee bereit ist (Schritt 9).

Schritt 7: Gieß die Teeblätter mit der passenden Wassertemperatur für deinen Tee auf, schließ den Gaiwan mit seinem Deckel und lass ihn ziehen.

Für Einsteiger kann eine Tee-Uhr* hilfreich sein, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Denn meistens hat der erste Aufguss nur eine kurze Ziehzeit von 15 bis 30 Sekunden. Geübte Teetrinker können den Deckel leicht geneigt auf den Gaiwan legen, so dass der Tee am Rand zu sehen ist. Anhand der Farbe des Tees kann man auch den idealen Zeitpunkt zum Servieren erkennen.

Schritt 8: Tee servieren:
  • Gieß den Tee durch ein Sieb in den Servierkrug. Aus dem Krug servierst du den Tee dann in die Teeschälchen. So stellst du sicher, dass jedes Schälchen geschmacklich identisch ist und auch eine gleichmäßige Temperatur hat.
  • Alternativ kannst du den Tee auch direkt aus dem Gaiwan servieren, allerdings sollte man die Teeschälchen hierbei nicht nacheinander voll gießen, sondern die verschiedenen „Level“ im Gaiwan auf die Schälchen aufteilen (bei der Alternative bitte erst Schritt 9 ausführen und Schritt 10 beachten).

Schritt 9: Nimm die Teeschälchen mit (oder auch ohne) Teezange und entsorge das „Abwasser“ aus dem ersten Aufguss.

Schritt 10: Gieß den Tee nur bis zu 2/3 des Fassungsvermögens der Schälchen ein, damit es nicht zu heiß für die Finger und Lippen wird.

Schritt 11: Nimm die Schälchen mit oder ohne Teezange hoch, trockne den Boden auf dem Teetuch ab, bevor du sie auf eine Untertasse stellst, um sie den Gästen zu überreichen.

Schritt 12: Die Verkostung des Tees erfolgt jetzt in drei Schritten:

  1. Bewundere die Farbe und das Aroma des Tees.
  2. Schlürfe den Tee und konzentriere dich auf den Geschmack und Körper des Tees.
  3. Riech den inneren Boden des Schälchens, welcher wunderbar Rückstande des Teearomas bietet. (Es funktioniert genauso wie bei einem Riechbecher.)
Für weitere Aufgüsse:
  • Benutzt man normalerweise einen zweiten Wasserkocher, um das Wasser wieder auf die gewünschte Temperatur zu bringen.
  • Variiere Temperatur und Ziehzeit je nach Teesorte. Z.B. 15 bis 30 Sekunden zusätzliche Ziehzeit für jeden weiteren Aufguss. Experimentiere mit der Temperatur für verschiedene Tees.

Mit der Teekanne folgst du grundsätzlich der gleichen Prozedur wie oben beschrieben. Außer im Schritt 9: Hier wird das „Abwasser“ des ersten Aufgusses über die Teekanne gegossen, um die Temperatur zu halten und die Kanne von außen zu pflegen.

Warum sind die Teeschälchen so klein?

Teeschälchen

Chinesische Teeschälchen sind klein. Für Menschen, welche noch nie eine authentische chinesische Tee-Zeremonie erlebt haben, kann es sehr schwer vorstellbar und nachvollziehbar sein, warum unsere Teeschälchen so klein sein “müssen”.

Bei einer Teezeremonie wird Tee nicht einfach nur serviert. Viel wichtiger ist, wie man den Tee wertschätzt, wie er aussieht, duftet und schmeckt, wenn er mit verschiedenen Temperatur-Ziehzeit-Kombinationen sowie den verschiedene Brüh-Techniken zubereitet wird.

Geschmack und Geruch des Tees variieren mit der Temperatur und Ziehzeit und ändern sich mit jedem Aufguss. Während der Zeremonie versucht man alle diese kleine Veränderungen mit allen Sinnen zu erfassen. Daher bereiten wir den Tee immer frisch zu, statt die Servier-Kanne auf das Stövchen zu stellen. Denn jeder Schluck Tee sollte die optimale Temperatur und das beste Aroma haben. So kann der Tee seine beste und wahrste Seite zeigen.

Es gibt auch eine kulturelle Erklärung: Das chinesische Schriftzeichen für die Verkostung und Beurteilung ist: 品. Ein sehr einfaches Wort mit drei "口", welches "Mund" oder “Schluck” bedeutet. Deshalb trinken wir den Tee in drei Schlückchen. Der erste Schluck dient dazu, den Gaumen vorzubereiten, der zweite Schluck, um zu schmecken, genießen und wertzuschätzen, schließlich leeren Sie die Tasse mit dem dritten und letzten Schluck. Und man darf nicht vergessen, den Geruch des Tees zu genießen, welcher am Boden der Tasse verweilt.

[Anmerkung der Redaktion: Wenn du jetzt Lust bekommen hast, die chinesische Teezeremonie auszuprobieren, dann findest du jede Menge schönes Zubehör sowie Tee-Seminare im Online-Shop von Kwok Ying von Beuningen: www.diekunstdestees.de - Weiterführende Informationen in Buchform findest du hier: Sandy Taikyu Kuhn Shimu, “Mit Buddha Tee trinken – Eine Einführung in die chinesische Teezeremonie”*]

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