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Samstag, 25. September 2010

Teebeutel der Sorte Mighty Leaf

Tee aus dem Teebeutel* hat allgemein keinen guten Ruf – was daran liegt, dass viele ungenießbare Sorten und Qualitäten in alten, verstaubten Supermarkt-Regalen und Küchenschränken zu finden sind. Dabei stimmt es nicht, dass Tee im Beutel generell schlechterer Qualität ist. Es kommt ganz darauf an, welcher Tee im Beutel ist, wie der Beutel beschaffen und verpackt ist und ob der Tee richtig gelagert wurde: lichtgeschützt, kühl und trocken.

Wie kam es eigentlich zum Tee im Beutel?

Letztlich hat der Teebeutel seine Existenz einem Zufall und Missverständnis zu verdanken: Anfang des 20 Jahrhunderts war es üblich, Teeproben in teuren Blechdosen zu verschicken. Um Kosten zu sparen, ging der Teehändler Thomas Sullivan aus den USA dazu über, seine Proben in kleine, platzsparende Seidenbeutel zu verpacken und so zu verschicken. Seine Kunden brühten die Teeproben dann aber inklusive des eigentlich nur als Verpackung gedachten Seidenbeutels auf – und fanden diese Idee sehr praktisch. Schließlich ersparte es ihnen die Mühe, den Tee in eine zweite Kanne abzuseihen. Der Teebeutel war geboren!

Sullivans Erfolg mit den Seidenbeuteln fand bald Nachahmer, die jedoch aus Profitgier minderwertige Qualitäten und feinkrümeligen “Abfall” in die Beutel füllten – was schnell dazu beitrug, dass Teebeutel generell in Verruf gerieten.

Die Renaissance des Teebeutels

Teebeutel sind trotzdem auch heute noch sehr beliebt – und inzwischen gibt es einige Hersteller, die sehr gute Tee-Qualitäten aromaschützend versiegelt in hochwertige, geschmacksneutrale Materialien verpacken. Eine dieser Teebeutel-Marken nennt sich Mighty Leaf und ist in Deutschland über den Shop www.camave.de zu bekommen. Netterweise hat mir Kirsten van Hees von camave einige Proben zugeschickt. Hier ein paar bildliche Eindrücke:

Chocolate Mint Truffle Earl Grey Jasmin Tee
Organic Mint Melange Vanilla Bean Rainforest Mate

Bei Mighty Leaf ist der Tee in handgefertigte “Seidenbeutel” verpackt, die mit Baumwollfäden vernäht sind. Das ist praktisch die Wiedergeburt des ursprünglich von Sullivan verwendeten Seidenbeutels. Die Beutel sind groß genug, um dem Tee Raum zu Entfaltung zu lassen. Die verwendeten Materialien Seide (1) und Baumwolle sind geschmacksneutral, so dass der Teegeschmack nicht beeinträchtigt wird. Zudem sind alle verwendeten Materialien biologisch abbaubar (1) und können nach Gebrauch in den Biomüll. [(1) Anmerkung: Ob es sich bei dem verwendeten Material um Seide handelt, wage ich zu bezweifeln, nachdem ich einen der Beutel ausgepackt habe. Ob das Material biologisch abbaubar ist, werde ich testen, indem ich zwei gebrauchte Beutel für eine Weile in einem Blumentopf auf dem Balkon liegen lasse. Ich bin gespannt. Falls jemand genaueres weiß: Ich freue mich auf Kommentare!]

In den nächsten Tagen werde ich einige dieser Teesorten probieren. Ich bin gespannt, ob sich der positive optische Eindruck auch geschmacklich bestätigt. Infos dazu folgen dann gegebenenfalls per Twitter.

Praktisch sind Teebeutel in jedem Fall: Passend portioniert, einfach zu entsorgen. Beuteltee wird dennoch die Ausnahme für mich bleiben. Mir fehlt hier schon bei der Zubereitung das Flair einer “richtigen” Teestunde. Auch variiere ich gerne die Tee-Menge ganz nach Tageszeit und Stimmung – das geht bei Beuteltee ja leider nicht.

Auch nicht zu vergessen: Durch die aufwändige Einzelverpackung in Beutel und die aromaschützende Versiegelung entsteht viel Verpackungsmüll – egal wie umweltfreundlich die einzelnen Bestandteile auch sein mögen. Auch unter diesem Aspekt ist loser Tee in “Großpackungen” für mich die bessere Lösung. Wie dem auch sei: Teebeutel haben ihren Platz. Ob im Büro, im Hotel oder in der Gastronomie – überall, wo es schnell und einfach gehen soll, sind Teebeutel extrem beliebt.

Wer Lust auf den Mighty Leaf Tee bekommen hat, hier die Bezugsquelle:

CAMAVE Caffee Genuss
Kirsten van Hees
Am Römerfeld 9a
47877 Willich

http://www.camave.de

Samstag, 18. September 2010

Fragen an Teefreunde – Teil 5: Kwok Ying von Beuningen

In loser Folge stelle ich hier im Tee-Tagebuch interessante Teefreunde, Teekenner und Teehändler vor. Im fünften Teil dieser Reihe hat Kwok Ying von Beuningen, die Inhaberin von www.diekunstdestees.com, meinen kleinen Teefreunde-Fragebogen ausgefüllt.

Kwok Ying von BeuningenBitte stellen Sie sich kurz vor:

Ich heisse Kwok Ying von Beuningen, und viele Freunde nenne mich auch gerne Joyce. Ich bin 34 Jahr alt und bin im Jahr des Drachens geboren. Hong Kong ist meine Heimat, und so reise ich jedes Jahr auch gerne nach Hause und von dort weiter nach China und Taiwan um neue Tees und schönes Teegeschirr zu suchen.

Durch mein Studium habe ich meinen Mann kennen gelernt, und so bin ich 2004 nach Deutschland gezogen und lebe nun seit 3 Jahren in Eschborn. Zusammen mit meinem Mann reise ich gerne um die Welt, liebe die Natur und fotografieren ist mein Hobby. Seit letztem Jahr habe ich meine Hobbies als zertifizierte Taucherin erweitert.

Welche Bedeutung hat Tee in Ihrem Leben? Welche Beziehung haben Sie zum Tee?

Als Chinesin, ist die Antwort einfach: Tee ist in meinem Blut und Bestandteil meines Lebens. Ich bin mit Tee aufgewachsen, und so ist Tee für mich auch eine Verbindung nach Hause. Ich liebe Tee, so wie er ist, ohne jegliche Zusatzstoffe oder -aromas. Aber ich bin auch offen für "Industrie-Produkte", besonders wenn ich unterwegs bin.

Ich trinke zwar nicht jeden Tag literweise Tee, aber genieße jeden Moment, wenn ich ein paar Teeblätter in meiner Tasse und Teekännchen habe. Für mich hat Tee einen Meditationseffekt und bringt mich immer wieder zur Ruhe.

Was ist für Sie das Besondere am Tee?

Tee ist umfangreich und sehr vielfältig, und er kann nie langweilig werden. Er ist Teil einer Kultur, aber passt sich auch wunderbar Trends an. Man kann mit ihm viel machen und experimentieren. Diese Flexibilität haben kaum andere Getränke. Natürlich kann man ihn auch gut für Gerichte oder Nachspeise als Zutaten verwenden. Man kann ihn den ganzen Tag trinken, ohne irgendwelche Schäden zu haben. Für mich bringt er  einfach Spaß.

Wann hatten Sie den ersten Kontakt zum Tee und welcher Tee war das?

Ich bin mit Tee aufgewachsen, aber bis ich Hong Kong verlassen habe, hatte Tee nur wenig Bedeutung für mich. Mein "erster echter" Tee-Kontakt war vor 6 Jahren bei meinem ersten Teekurs in Hong Kong, wo ich viele unterschiedliche Tees probieren konnte. Einer von diesen vielen Tees hat auf mich einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen: ein über 30 Jahre gelagerter Pu Erh Tee - ein in jeglicher Hinsicht kostbares Erlebnis. Zu einem Teeschüler-Alumni - einer Feier - teilte mein Lehrer seinen wertgeschätzten Pu Erh mit seinen Schülern, und ich war glücklicherweise zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.

In meiner Erinnerung, war der Tee überhaupt nicht flach, hatte aber fast keinen dominanten Geschmack und schmolz einfach im Mund. Es war eine sehr interessante Erfahrung. Alle hatten diesen Tee hoch gelobt, aber ich hatte damals noch nicht soviel Verständnis für die Schätzung dieses Tees und konnte die Begeisterung nicht ganz nachvollziehen. Heute verstehe ich langsam ein bisschen mehr, warum der Tee so positiv beurteilt wurde. Leider ist eine solche Gelegenheit nur selten.

Was hat sich seitdem in Ihrem Verhältnis zum Tee geändert?

Der Teekurs war mein Schlüssel zur Teewelt und diese Welt hat keine Grenzen. Jetzt trinke ich nicht nur Tee, sondern studiere ihn auch sehr gerne. Meistens trinke ich parallel 2-3 verschiedene Tees und vergleiche sie. Ihren Geruch, den Geschmack und die Blätter, und frage mich wie er hergestellt wurde und ich habe viel Respekt von der Zusammenarbeit zwischen Natur und den Teebauern.

Was war Ihr schönstes Tee-Erlebnis?

Es war während meiner ersten Reise nach Taiwan. Ich reiste wegen des Oolong Tees mit meinem Mann nach Taiwan und wollte die taiwanesische Teekultur hautnah erleben und kennenlernen. Vor unserer Reise hatte ich schon viel gelesen und über die Teehäuser in Taiwan gehört. Es hieß, sie wären sehr authentisch und überall zu finden, und es hat gestimmt. Im nördlichen Taiwan ist ein historischer Ort namens „Jiufeng“, er liegt an der Ostseite der Berge und ist sehr bekannt für seine Teehäuser und seinen Markt.

Trotz vieler Touristen, hatten wir Glück nach weniger Zeit schon ein wunderschönes, authentisches und ruhiges Teehaus zu finden. Es war eine wahre Teeoase. Nachdem wir einen schönen Tisch mit Blick auf den Pazifischen Ozean "erobert" hatten, wollten wir ein paar Kleinigkeiten zum Essen und Tee bestellen. Interessant war, dass die Bedienung uns freundlich sagte: "Wir sollen erst den Tee genießen und dann später Essen bestellen". So bestellten wir einen „Four Seasons Oolong“ der guten Qualität, da man in den taiwanesischen Teehäusern zwischen unterschiedlichen Qualitäten wählen kann. Dann richtete sie ein Feuerstövchen und eine Wasserkanne mit kochendem Wasser neben unserem Tisch auf dem Boden her. Keine Minute später kam sie mit einem Tablett samt zwei Teeschälchen und Riechbecherchen, einem Teekännchen und einem Krug aus Ton, einer Keramikschale und einer Dose mit losem Tee (ca. 25g). Bevor wir mit der Teeverkostung unseres „Four Season Oolong“ starten konnten, präsentierte sie uns wie wir den Tee zu kochen haben, dann durften wir endlich den Tee schnuppern und genießen. Als „Geschenk“ brachte die Bedienung uns noch selbst gebackene Süßkartoffelchips.

Der Tee duftete herrlich und schmeckte unheimlich lecker als der Sonnenuntergang langsam einsetzte. Bis die Sonne unter dem Horizont war, vergingen ein paar Stunden und so genossen wir den Tee, die Ruhe und den Ausblick. Am Ende hatte die Küche uns doch ein paar einfache Gerichte zubereitet und ich hatte das Gefühl, als wenn ich bei Freunden zu Hause eingeladen worden wäre. Alles war so familiär.

Als wir wieder auf den Beinen waren, fühlten wir uns plötzlich schwach, ein wenig betrunken, aber es war lustig und gleichsam seltsam dieses Gefühl von Tee zu haben. Am nächsten Tag erklärte ein Bauern uns, wenn man den Tee zu heiß brüht oder zu viel davon trinkt, ohne was inzwischen zum essen, dann konnte solche Effekt auftreten.

Was ist Ihr Lieblings-Tee, was ist das Besondere daran und wie bereiten Sie ihn zu?

Es gibt für mich keinen Lieblings-Tee. Je nach Saison, Tageszeit oder Lust brühe ich immer wieder ganz unterschiedliche Tees. Aber im Moment trinke ich am Vormittag gerne gelagerten, losen Pu Erh mit ein Paar Rosenknospen. Dieser Pu Erh ist aus meiner eigenen Kollektion und hat eine vollmundige Textur, und ist geschmeidig und weich. Wenn man ihn trinkt, hat man das Gefühl, dass er einfach im Mund schmilzt. Und er erwärmt gleichzeitig auch den Körper. Für ein trübes Wetter, wie es jetzt von Zeit zu Zeit schon ist - grau und kühl - passt der Tee einfach super. Ich verwende etwa 3g Teeblätter für ein 100mL Yixing Teekännchen, mit 100°C kochendem Wasser und 1-2 min Ziehzeit, dann in einem Gaiwan mit 4-5 Rosenknospen aufgießen und noch mal den Tee für 1-2 min mit den Knospen ziehen lassen. So hat der Tee einen feinen eleganten Rosenduft, welcher nicht zu stark ist und und nicht bitter schmeckt.

Oder während des Tages ein Da Hong Pao, weil dieser mich immer an die malerische Landschaft Wuyishan‘s erinnert. Es handelt sich hierbei um einen Felsentee (teil-fermentiert), welcher wunderschön blumig und "klar" ist, und wie ein gewundener Fluss der Landschaft Wuyishan’s durch den Gaumen fließt. Ich bereite ihn in einem Gaiwan mit ähnlicher Ziehzeit und Wassertemperatur wie den Pu Erh zu, aber ohne Blüten.

Ich brühe meinen Tee mindesten 3-4 Mal auf; bis der Geschmack zu schwach wird.

Wann und wo trinken Sie am liebsten Tee?

Meistens wenn ich eine Pause brauche, dann gehe ich gerne zu meiner Teeecke. Ideal wäre es unter freiem Himmel, im Tee Garten oder in der Natur, aber hierbei bin ich sehr flexibel. Ich trinke auch gerne Tee in der Stadt, in einem Cafe, wo ich auf die Straße schauen und die Leute beobachten kann, ähnlich einem Cafe wie man es aus Frankreich kennt.

Welches ist Ihr liebstes Tee-Zubehör?

Yixing Teekännchen und Wasser, welches ganz authentisch auf dem Feuerstövchen kocht.

Was ist Ihr Lieblingsbuch zum bzw. über Tee? Welche Musik passt für Sie zu einer schönen Teestunde?

„Tea Bliss“ von Theresa Cheung* ist bis jetzt mein Lieblingsbuch und ich es entspannend finde. Chinesische Instrumental-Musik, wie Flöte, Yangqin und Zheng; und Soft Jazz höre ich immer wieder gerne zum Tee.

Was ist Ihr Lieblings-Zitat zum Thema Tee?

„Tea does our fancy aid, repress those vapours which the head invade and keeps the palace of the soul serene.“ von Edmund Waller (1606-1687)

Wen würden Sie gerne einmal zum Tee einladen und welchen Tee würden Sie servieren?

Jemand der Tee wirklich liebt, und mit dem man einfach über alles reden kann. Ich würde ihm Da Hong Pao servieren, da ich diesen Tee oft aufgießen, und so mich mit meinem Gast lange unterhalten kann.

Was möchten Sie sonst noch zum Thema Tee erzählen, das ich vergessen habe zu fragen?

Ich möchte noch paar Worte zu den Lesern sagen:

    1. Bleiben Sie offen; offen für unterschiedliche Geschmäcke und trinken Sie immer wieder unterschiedliche Tees. Gehen und entdecken Sie die Teewelt. Beschränken Sie sich nicht nur auf einen Tee, lassen Sie neue Tee-Erlebnisse auf sich zukommen und genießen Sie es.
    2. Es gibt keinen „richtigen Weg oder Methode“ oder „den besten Tee der Welt“. Wir sind alle unterschiedlich und daher empfiehlt jeder etwas anderes. Suchen und experimentieren Sie selbst auf Ihrem eigenen "Tee-Weg", die beste Methode oder der bester Tee, ist was Ihnen am besten schmeckt und man am liebsten trinkt.
    3. Tee ist im Allgemeinen gesund, aber wie bei Ernährung, eine abwechslungsreiche Trinkgewohnheit ist noch wichtiger. Tee ist kein Wundergetränk, welches Krankheiten heilt. Was zählt ist ein gesunder Lebensstil.
    4. Tee kann aufregend oder auch entspannend sein. Der Schlüssel zum „Tee-Erfolg“ ist, wie man ihn trinkt: sich Zeit zu nehmen und zu genießen, oder als ein starker Aufguss und schnellem Schluck. Irgendwie findet und passt der Tee sich schon an, wo Sie ihn gerne hätten. Ich glaube, er verstärkt einfach unseren Willen. :-)

Vielen Dank für das Interview, Frau von Beuningen!

Das Online-Teegeschäft “Die Kunst des Tees” mit ausgewählten Teesorten, Künstlertees und Tee-Zubehör ist hier zu finden:

http://www.diekunstdestees.com/

James Norwood Pratt – Tea Dictionary

Im Juni habe ich hier das Buch “Tee für Genießer” von James Norwood Pratt vorgestellt. Inzwischen gibt es ein neues Werk, das auf der diesjährigen World Tea Expo als “Beste Neuerscheinung 2010” ausgezeichnet wurde: James Norwood Pratt’s Tea Dictionary. Und in der Tat ist das Buch ein wahres Füllhorn an Informationen zur Welt des Tees.

James Norwood Pratt’s Tea Dictionary Bisher nur in englischer Sprache und direkt über die Website des Autors sowie seit Oktober 2010 auch in Deutschland über das Tee-Kontor Kiel erhältlich, bietet dieses Tee-Wörterbuch alles, was Tee-Interessierte rund um den Tee wissen möchten und sollten. So stellt der Autor selbst sein Buch vor:

“Das frisch überarbeitete und nun endgültige Tee-Wörterbuch enthält Informationen zu allen wesentlichen Tee-Arten, die in der Welt angebaut werden. Enthalten sind auch eine Zeitleiste der Geschichte des Tees, Karten und eindrucksvolle Fotografien, vorwiegend erstellt von Yoon Hee Kim.

Mit der Unterstützung der Verleger Devan Shah und Ravi Sutodiya sowie Chen Zongmao, Chinas größtem Tee-Experten, entmystifiziert James Norwood Pratt die Fachsprache von Tee-Anbau, Herstellung, Verkostung, Handel, Marketing und Klassifizierung. Angereichert wird das alles mit jeder Menge Informationen aus Botanik, Business, Geschichte, Folklore sowie ‘fast allen Tee-Gärten und Ortsnamen, die es in unseren Augen wert waren, genannt zu werden.’ Es ist das erste Werk in englischer Sprache, das – wo immer möglich – chinesische Schriftzeichen enthält, und soll zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Teeliebhaber aller Art werden.”

Neben dem Inhalt überzeugt auch die Ausstattung: Kompakte 370 Seiten, durchgehend farbig illustriert auf wertigem Hochglanzpapier mit Fadenheftung und festem Einband. Geliefert wird das Buch in einem schwarzen Samtbeutel mit zwei Lederschließen (Klettverschluss) und dem Aufdruck “James Norwood Pratt’s Tea Dictionary”. So ist es auch später beim Transport immer stilvoll geschützt. Das Buch selbst liegt dank kompakter Maße (14,5 x 22 x 2,5 cm) gut in der Hand und ist dank großer Schrifttype und prägnanter Definitionen sehr gut lesbar. Ein Buch, das für jeden Teeliebhaber und Teehändler zu einem ständigen, kompetenten Begleiter und Ratgeber werden dürfte.

Die Inhalte des Tee-Wörterbuchs werden zudem als Software auf einer CD mitgeliefert, die mittels Adobe Air plattformübergreifend auf Windows, Linux und Apple Macintosh lauffähig ist:

James Norwood Pratt’s Tea Dictionary Software

Praktisch ist, dass die CD nach der Installation nicht mehr benötigt wird. So kann man die wesentlichen Informationen auch am Notebook und PC schnell und komfortabel abfragen, ohne ständig die CD eingelegt zu haben. Dabei lassen sich einzelne Artikel und ganze Suchergebnisse sogar ausdrucken oder in verschiedenen Formaten exportieren.

Wer das Buch direkt beim Autoren bestellt, darf sich zudem noch über eine persönliche Widmung freuen. Herzlichen Dank an James Norwood Pratt für dieses gelungene Grundlagenwerk zum Thema Tee! Es sei hiermit allen ans Herz gelegt, die sich für Tee begeistern und die beruflich mit Tee zu tun haben. Eine lohnenswerte Investition!

Hier bestellbar:

Anmerkung 07.03.2011: Inzwischen wird das Buch scheinbar ohne den Samtbeutel ausgeliefert. Trotzdem bleibt es definitiv (m)eine Empfehlung!

Montag, 6. September 2010

Fragen an Teefreunde – Teil 4: Angelika Hartleib

Angelika Hartleib In loser Folge stelle ich hier im Tee-Tagebuch interessante Teefreunde, Teekenner und Teehändler vor. Für den vierten Teil dieser Reihe hat sich Angelika Hartleib vom Tee Kontor Kiel netterweise bereit erklärt, meinen kleinen Teefreunde-Fragebogen zu beantworten.

Bitte stellen Sie sich kurz vor:

Mein Name ist Angelika Hartleib, ich bin 41 Jahre alt und ursprünglich "Italo-Schwäbin". Ich reite gerne, mache Yoga, bin kreativ und wenn es Zeit und Wetter erlauben dann laufe ich. Mein Mann Olli ist ein Nordlicht aus Kiel. Zusammen betreiben wir das Tee Kotor Kiel wofür ich einen neuen Webshop entwickelt habe: www.tee-kontor-kiel.de

Nach 11 Jahren als Hoteliers auf einer kleinen karibischen Taucherinsel hat es uns, der Kinder wegen, vor 2 Jahren wieder nach Deutschland verschlagen. Meine Schwiegermutter wollte ihren damals 26-jährigen Teeladen verkaufen und in Rente gehen. Da wir leidenschaftliche Teeliebhaber sind und nur die Selbstständigkeit in Frage kam, bot es sich an, das gut laufende Tee Kontor Kiel zu übernehmen. Es war eine gute Idee, denn der Laden läuft blendend, das Team und die Kunden sind immer gut drauf und wir haben riesigen Spaß miteinander.

Welche Bedeutung hat Tee in Ihrem Leben? Welche Beziehung haben Sie zum Tee?

Tee hat einen sehr hohen, elementaren Stellenwert. Ich kann mir keinen einzigen Tag ohne Tee vorstellen. Ich trinke ausschließlich Leitungswasser und Tee. Tee literweise auf den ganzen Tag verteilt und fast nur ohne Aroma. Morgens immer feinen Darjeeling first flush gefolgt von mehrfachen Aufgüssen Grüntee. Zur Zeit bin ich verrückt nach edlen, hellen Oolongs. Abends gerne auch manchmal einen schönen Kräutertee. Für mich ist Tee der absolute Genuss und geschmacklich immer wieder ein Fest für die Sinne. Zudem wirkt Tee für mich förderlich, um meine "innere Harmonie" zu finden.

Was ist für Sie das Besondere am Tee?

Er ist das vielfältigste Getränk der Welt. Es gibt ihn in unzähligen Varianten, sodass er niemals langweilig werden kann. Ein "Laster" welches zudem auch noch gesund ist! Geschmack in Kombination mit Gesundheit ist ja unter den Genuss- und Nahrungsmitteln relativ selten und die Vielfalt beispiellos riesig.

Wann hatten Sie den ersten Kontakt zum Tee und welcher Tee war das?

Wenn ich krank war als Kind trank ich manchmal schrecklich schmeckende Kräutertee- bzw. "Aufgussgetränke". "Richtiger Tee" kam dann später als Teenager als Schwarztee Wildkirsch. Damals waren noch diese chinesischen Kannen mit Bastgriff in Mode und man hörte Santana und Pink Floyd in räucherstäbchen-geschwängerter Luft. Der Tee hat nicht wirklich gut geschmeckt, da ich ihn vermutlich nicht korrekt zubereiten konnte und die Qualität wohl auch zu wünschen übrig ließ. Es war eine Supermarkt Dose von Twinings o.ä.

Was hat sich seitdem in Ihrem Verhältnis zum Tee geändert?

Damals trank ich nur wenig Tee und selten mit vollem Genuss. Inzwischen trinke ich täglich große Mengen und das in hoher Qualität mit vollem Genuss. Ich nehme mit jedem Schluck den Moment ganz bewusst war.

Was war Ihr schönstes Tee-Erlebnis?

Wir hatten in der Karibik in unserem kleinen Tropen-Hotel "El Momo" immer wieder wundervolle Momente voller Freude mit den Gästen. Zum Frühstück bauten wir eine schöne Tee-Bar auf, die viele neugierige Kaffeetrinker zum Teetrinken angeregt hat. Viele Gäste tranken anschließend nur noch Tee und waren für diese wertvolle Entdeckung extrem dankbar.

Was ist Ihr Lieblings-Tee, was ist das Besondere daran und wie bereiten Sie ihn zu?

Es gibt bei mir nicht "den einen" Lieblingstee. Es ist von der Tages- und Jahreszeit, Stimmung und Lust abhängig. Außerdem entdecke ich immer wieder neue Leckereien weil ich so neugierig bin und Veränderung im Allgemeinen sehr spannend finde. Es gibt natürlich Vorlieben. Meine Lieblingstees sind immer unaromatisiert, von hoher Qualität und leicht. Allerdings kann ich mir einen Morgen ohne first flush Darjeeling kaum vorstellen, das hat sich doch im Lauf der Jahre als Tagesstart so eingespielt. Ich liebe auch Grüntees (v.a. Lung Ching, Kukicha, Green Monkey), Weiße Tees (v.a. Shangri La, Snow Buds) und zur Zeit finde ich kurz anfermentierte Oolongs (v.a. Jade Dung Ting, Sumatra Chin Chin, Formosa Jade Pearls) extrem lecker.

Aromatisierte Tees trinke ich hauptsächlich nur, um das Sortiment zu aktualisieren, d.h. um neue gute Sorten zu finden. Außerdem möchte ich für den Webshop die Texte gut schreiben, weil ja den Internetkunden der Geruchssinn fehlt, d.h. es ist wichtig das Aroma verständlich zu beschreiben. Vor Ort im Laden trinken wir viel aromatisierte Tees um uns für die Kundschaft zu bilden, d.h. damit wir ordentlich beraten können.

Wann und wo trinken Sie am liebsten Tee?

An liebsten gleich nach dem Aufwachen. Mein Mann Olli bringt mir manchmal ein frisches Tässchen ans Bett, das genieße ich dann besonders. Oder, wenn nicht im Bett, dann spätestens nach dem allmorgendlichen Yoga "Morgengruß".

Welches ist Ihr liebstes Tee-Zubehör?

Da gibt es zwei die ich nicht missen möchte: Wasserfilter und Wasserkocher mit Temperaturregler.

Was ist Ihr Lieblingsbuch zum bzw. über Tee?

"Tee für Genießer" von James Norwood Pratt.

Welche Musik passt für Sie zu einer schönen Teestunde?

Oh, da gibt es so viel, zur Zeit würde ich wohl Izaline Calister* auswählen. Oder Morcheeba*, dafür hab ich nämlich gerade Konzertkarten gekauft, kicher.

Was ist Ihr Lieblings-Zitat zum Thema Tee?

Ups, da muss ich nachwühlen. Am liebsten mag ich ja Gandhi-Zitate, aber ich kenne keines über Tee. 

Oh, da hab ich eins gefunden welches mir gut gefällt:

"Der Tee weckt den guten Geist und die weisen Gedanken.
Er erfrischt Deinen Körper und beruhigt Dein Gemüt.
Bist Du niedergeschlagen, so wird Tee Dich ermutigen."

Shen Nung (chinesischer Kaiser, 2737-2697 v.Chr.)

Es ist auf alle Fälle was dran, denn man kann sich doch z.B. aggressive Menschen kaum als Teetrinker vorstellen. Das passt dann doch eher zu Alkohol- und Kaffeegenuss. Zudem tendieren Tee trinkende Menschen häufig dazu gesundheits- und umweltbewusst zu leben und verantwortlich zu konsumieren. Tee zu genießen passt zu Frieden und nicht zu Krieg, es passt zu Liebe und nicht zu Hass, es passt zur Ruhe und nicht zur Hektik, es passt zum Genuss und nicht zum Verbrauch.

Wen würden Sie gerne einmal zum Tee einladen und welchen Tee würden Sie servieren?

Michael Franti*, nicht nur wegen seiner genialen Musik, sondern wegen seines noblen Einsatzes für Erdlinge und Umwelt. Da würde ich einen edlen Oolong wählen. Entweder den Chin Chin aus dem Sumatra Hochland oder einen Jade Dung Ting aus China.

Was möchten Sie sonst noch zum Thema Tee erzählen, das ich vergessen habe zu fragen?

Ich wünsche mir, dass Tee in der westlichen Gesellschaft endgültig das "Tee = scheußlich-schmeckendes-Krankheitsgetränk-Image" los wird. Es gibt nach wie vor viele Menschen denen sich schon beim Begriff "Tee" aus Unwissenheit die Nackenhaare sträuben. Es wird Zeit, dass die Leute erkennen, welch köstliches Genussmittel Tee darstellt. Wenn ich abends in einer Kneipe nach Tee verlange, ernte ich häufig Unverständnis. Ganz abgesehen davon gibt es in der Gastronomie fast nie guten Tee. Da klafft eine viel zu große Wissenslücke in der Gesellschaft - übrigens genauso wie bei leidfreier bzw. veganer Ernährung. Tee könnte meiner Meinung nach sogar vielen Alkoholikern helfen, Ihre Sucht auf Tee umzuprojizieren und sich dem Rausch von Tee hinzugeben.

Vielen Dank für das Interview, Frau Hartleib!

Wer in Kiel ist, findet das Ladengeschäft “Tee Kontor Kiel” hier:

Tee Kontor Kiel
Holtenauer Str. 126
24105 Kiel

Oder einfach online unter www.tee-kontor-kiel.de bzw. auf der Facebook-Seite www.facebook.com/TeeKontorKiel

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