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Freitag, 1. Januar 2010

Ellis Avery: Die Teemeisterin (Roman)

Ellis Avery schildert in ihrem Roman "Die Teemeisterin" * die dramatische Wandlungsphase Japans zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wir erleben das Eindringen der westlichen Kultur aus dem Blickwinkel eines jungen westlichen Mädchens, das als Adoptivkind und Bedienstete in einer wohlhabenden japanischen Teemeister-Familie zur Frau heranreift.

Die Geschichte

Die Geschichte beginnt im New York des Jahres 1856. Von dort bricht die neunjährige Aurelia zusammen mit ihrem Onkel, einem fanatischen Missionar, nach Japan auf. Als sie vor den Zudringlichkeiten ihres Onkels flieht, findet sie Schutz im Teehaus des mächtigsten Teemeisters der Stadt. Sie wird Freundin und Vertraute seiner Tochter Yukako. Heimlich beobachten die beiden den Teemeister bei der Unterweisung seiner Schüler. So erlernen sie die Kunst der Teezeremonie, die zu dieser Zeit nur den Männern gestattet ist.

Doch Yukako gibt ihr heimlich erworbenes Wissen nicht nur an Aurelia weiter. Sie hat ganz eigene Vorstellungen davon, wie sich der Teeweg weiterentwickeln sollte. Diese umzusetzen ist ihr erst viel später und nur unter großen Schwierigkeiten möglich.

Meine Meinung

"Die Teemeisterin" ist ein eher stilles Buch, durchaus vergleichbar mit der Atmosphäre der ruhigen japanischen Teezeremonie. Für mein Empfinden oft etwas zu ruhig in seiner Schilderung, zu wenig fesselnd und packend. Vor allem hätte ich mir gewünscht, die Teezeremonie und ihre Philosophie ausführlicher geschildert zu finden.

Leider hat die Autorin auch mindestens einen groben Fehler in ihren Schilderungen gemacht, z.B.: "dann starb der Shogun, und nun trug ganz Japan Schwarz." Die Farbe der Trauer ist in Japan aber nicht Schwarz sondern Weiß (Wikipedia-Artikel). Immerhin zieht sich dieser Fehler (fast) stringent durch das Buch. - So frage ich mich, ob sich nicht auch an anderen Stellen grobe Fehler eingeschlichen haben mögen.

Obwohl das Buch u.a. für den Kiriyama Prize nominiert wurde, kann ich mich den folgenden Pressestimmen nicht uneingeschränkt anschließen:
  • "Ein Roman wie eine Teezeremonie - er stimuliert den Geist und alle Sinne." (Los Angeles Times)
  • "Für alle Leser, die sich für die Historie Japans interessieren, ein Muss." (USA Today)
Abgesehen von dem bereits erwähnten Fehler, hätte die Autorin meiner Meinung nach mehr aus dem Thema machen können.

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