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Samstag, 17. Dezember 2011

Buch-Tipp: Leben an Darjeelings Teebahn

Darjeeling ist berühmt für seinen Tee. Und in diesem Zusammenhang kennen die meisten Menschen auch eine weitere Attraktion: den legendären "Toy Train", die "Teebahn" von Darjeeling.

Diese Schmalspurbahn wurde zwischen 1879 und 1881 von der britischen Kolonialregierung gebaut und überwindet auf 86 Kilometern Strecke mit mehr als 900 Kurven gut 2.000 Höhenmeter. Der noch von Dampfloks befahrene Streckenabschnitt verläuft von Kurseong bis Darjeeling. Der Rest der Strecke von Kurseong bis New Jalpaiguri wird von Dieselloks bedient. Seit 1999 gehört die “Teebahn” zum UNESCO Weltkulturerbe.

Die wenigsten Teetrinker werden das Leben in Darjeeling rund um die Teebahn vor Augen haben, wenn sie ihren First Flush genießen. In vielen Köpfen wird sicherlich das malerische Bild von grünen Teeplantagen an steilen Berghängen vorherrschen, gesprenkelt mit wild-romantischen Vorstellungen von wunderschönen, bunt gekleideten Teepflückerinnen, die liebevoll frische Triebe von den Sträuchern pflücken und in ihren Körben heimtragen.

Doch das Leben in Darjeeling rund um den alten Toy Train ist hart. Die Bahn hat mit vielen Problemen zu kämpfen – schlechte Kohleversorgung, fehlende Ersatzteile für die über 100 Jahre alten Dampfloks, schwere körperliche Arbeit, regelmäßige Stromausfälle, Schlammlawinen …

Wer sich einen Eindruck vom Leben rund um die Teebahn abseits der Romantik verschaffen möchte, der findet im Bildband “Leben an Darjeelings Teebahn” von Torben Weiß* aus dem Erdgeschoss-Verlag die Gelegenheit dazu - und zudem eine eindrucksvolle Fotoreportage. Nicht im herkömmlichen Sinn "schön" sind die Fotos dieses Bildbandes, aber sie spiegeln das Leben rund um die Teebahn von Darjeeling wider.

Einen tollen Kontrast zu den hektischen, staubigen, lauten Bildern der Teebahn bietet das abschließende kurze Kapitel mit einem Fotobericht von der Teeplantage Makaibari in der Gegend um Kurseong. Hier ist es still und grün, die Luft ist frisch und duftet nach Tee. Das ist die Atmosphäre, die sich wohl jeder Teetrinker erträumt, wenn er sich seinen Darjeeling aufgießt.

Allen Darjeeling-Liebhabern sei dieser tolle Bildband ans Herz gelegt:
Torben Weiß, Leben an Darjeelings Teebahn*

Wer vorab gerne online einen Blick ins Buch werfen möchte, der hat hier die Möglichkeit dazu:

Sonntag, 4. Dezember 2011

Kleine Einführung in die chinesische Teezeremonie

(Gastbeitrag von Kwok Ying von Beuningen, www.diekunstdestees.de)

Die chinesische Teezeremonie wird um genau zu sein Gong Fu Cha (Kung Fu Cha) genannt. "Gong Fu" oder “Kung Fu” meint in diesem Fall nicht den Kampfsport, den viele mit diesem Begriff verbinden. Es ist vielmehr die Perfektion gemeint, welche es durch Erfahrung und intensive Übung zu erreichen gilt. So hat jeder Teemeister seine persönlichen Vorlieben und seinen eigenen Stil, welcher mit der Philosophie und Kultur des Tees verbunden wird. Oberstes Ziel ist es, eine perfekte Tasse Tee zuzubereiten.

Grundlagen der chinesischen Teezeremonie

Gaiwan und Teeschälchen

Atmosphäre

Für die Teezeremonie wird eine ruhige Umgebung bevorzugt, da sie eine bessere Konzentration auf die Teezubereitung und die Verkostung des Tees ermöglicht.

Geschirr (Basis-Ausstattung)

  • Wasserkocher
    Ideal sind zwei Wasserkocher: Einer um das “normale” Wasser zu kochen und ein kleinerer (ca. 500 ml oder kleiner), um das Wasser wieder auf die gewünschte Temperatur zu erwärmen.
  • Gaiwan oder Teekännchen
    Die am häufigsten genutzte Größe ist ca. 100 bis 160 ml.
  • Teetässchen (plus Riechbecher für die taiwanesische Art)
    Eine häufig genutzte Größe ist 25 bis 80 ml (je nach Teesorte).
  • Tee-Besteck
    Das sind Teelöffel, Teenadel, Teezange, Teespachtel, Teetrichter und Geschirrhalter. Der wichtigste Teil dieses Sets ist der Teelöffel, mit dem man die Teeblätter aus der Teedose entnehmen kann.
  • Pitcher, Krug oder Servier-Kanne
    Eine gleichmäßige Verteilung des Tees in jedes einzelne Teetässchen ist besonders wichtig. Denn nur dann stellt man sicher, dass jeder Gast ein von der Teebasis her gleichmäßiges Geschmackserlebnis hat. 
  • Sieb und Siebständer
    Das Sieb stellt sicher, dass die kleinen Teeblätter nicht in die Tasse gelangen.
  • Teetuch
    Das Teetuch dient dazu, die “Umgebung” der Teezubereitung sauber zu halten. [Anmerkung der Redaktion: Ein neutrales Trockentuch oder kleines Gästehandtuch reicht für den Anfang.]
  • Teetisch
    Ein Teetisch ist ideal, um eine saubere und ordentliche Oberfläche zu schaffen und überschüssiges Wasser bei der Zubereitung des Tees aufzufangen. Zusätzlich bietet er auch eine ideale Plattform für die Präsentation des Teeservice.

Was ist eigentlich ein Gaiwan?

Im Grunde genommen ist der Gaiwan eine Schale mit Untertasse und Deckel. Er hat ein sehr einfaches Design für seinen "one-for-all"-Zweck. Ohne die Untertasse und den Deckel ist es auch die älteste Form dieses Utensils in der Geschichte. Eine direkte Übersetzung für Gaiwan ist “eine Schale mit einem Deckel”. Man kann es sowohl als normale Tasse wie auch zur Zubereitung des Tees verwenden. Jeder Teil des Gaiwan hat seine eigene Funktion:

Der Deckel
Der Deckel ist nicht nur für das Zudecken der Teetasse, um die Temperatur in der Tasse zu halten, sondern wird auch als "Sieb" verwendet, um die Teeblätter beim Ausgießen oder Trinken zurückzuhalten (wenn man direkt aus den Gaiwan trinkt).

Die Schale
Die Schale ist der Hauptteil des Gaiwan, welcher die Teeblätter und das Wasser aufnimmt. Im Unterschied zu einer normalen Schale ist der Rand des Gaiwan leicht nach außen gebogen. Neben einem eleganten Design hat das auch den praktischen Zweck, Verbrennungen an unseren Fingern zu vermeiden. Denn während der Tee-Zeremonie wird der Gaiwan auch oft als Teezubereitungsgefäß genutzt. Und dank dieses Designs kann man ihn mit Daumen und Mittelfinger halten, um den Tee auszugießen oder zu servieren.

Die Untertasse
Sie wurde später als ein Teil des Gaiwan-Designs hinzugefügt. Wie bereits erwähnt, dient der Gaiwan auch als eine normale Teetasse und man kann den Tee direkt in ihm servieren. Hierbei verhindert die Untertasse, dass sich die Gäste an dem Gaiwan die Finger verbrennen.

[Anmerkung der Redaktion: Der Gaiwan soll auch sinnbildlich für die Verbindung von Erde, Mensch und Himmel stehen. Die Untertasse symbolisiert die Erde, die Schale steht für den Menschen und der Deckel für den Himmel. Ein schöner Gedanke, wie ich finde, ist doch der ganze leckere Tee im “Menschen”.]

Anleitung zur Teezeremonie (mit Gaiwan)

Wenn du Gäste hast oder für dich selbst Tee auf chinesische Art zubereitest, ist der Gaiwan eine gute Möglichkeit. Zusätzlich verwendet man einen “Teehalter”, um die trockenen Blätter nicht nur zu präsentieren sondern auch leichter in den Gaiwan umzufüllen. Der Teehalter ist einem kleinen Teller ähnlich, nur dass der linke und rechte Rand nach oben gerollt sind, und somit die eben beschriebene Trichterfunktion erfüllen kann.

[Anmerkung der Redaktion: Alternativ zum “Teehalter” kannst du die Teeblätter z.B. auch in einem kleinen Schälchen präsentieren oder in dem wie eine kleine Schaufel geformten Teelöffel des Teebestecks.]

Schritt 1:
Bring das Wasser zum Kochen.
Je nach Region kann das Wasser zu “hart” für Tee sein und somit einen negativen Effekt auf den Geschmack ausüben. Daher empfehlen wir in solchen Fällen das Wasser zu filtern oder beim Wasser kochen einen Papierfilter hinzuzugeben, welcher das Wasser „enthärtet“.  

Schritt 2:
Nimm die Teeblätter mit dem Teelöffel aus der Teedose und fülle sie in einen Teehalter um. So lassen sich die Blätter bewundern und man kann ihren Duft genießen.

Schritt 3:
Erwärme den Gaiwan, die Teeschälchen und den Krug mit kochendem Wasser.

Schritt 4:
Nimm die Teeblätter und füll die gewünschte Menge in den vorgewärmten Gaiwan. Lass die Gäste die Blätter nochmals riechen. Das Aroma wird durch die Wärme und den Dampf intensiviert.

Schritt 5:
Zu Beginn gibst du das kochende Wasser über die Teeblätter, um es sofort wieder abzugießen. Dieser Prozess ist besonders aus den folgenden Gründen wichtig:

  • Oolong-Tee: So öffnen sich die fest gerollten Blätter für einen besseren Genuss.
  • Puer (Pu Erh) oder andere (lang) gelagerte Tees: Zum Reinigen und Entfernen von ungewünschten Gerüchen oder Geschmack, welche durch Lagerung entstehen können.

[Anmerkung der Redaktion: Oft wird dieses erste kurze Aufbrühen auch als “Waschen” oder “Aufwecken” des Tees bezeichnet.]

Wenn der Tee schon sehr “alt” ist, kann man diesen Prozess bis zu 3 Mal wiederholen. Falsch gelagerter Tee kann dadurch sogar eventuell gerettet werden.

Bei grünem, weißem oder „tippy“ Tee ist dieser Prozess optional und nur mit Vorsicht zu verwenden, denn 

  1. das meiste Aroma und der beste Geschmack ist schon in dem ersten und zweiten Aufguss enthalten.
  2. die Teeblätter sind meist junge Triebe oder Blattknospen, so dass die hohe Wassertemperatur den delikaten und feinen Geschmack, das Aroma und die wertvolle Inhaltsstoffe zerstören kann. 

Schritt 6:
Das „Abwasser“ kann man zum Erwärmen der Schälchen nutzen und auch so lange drin lassen bis der trinkfertige Tee bereit ist (Schritt 9).

Schritt 7:
Gieß die Teeblätter mit der passenden Wassertemperatur für deinen Tee auf, schließ den Gaiwan mit seinem Deckel und lass ihn ziehen.

Für Einsteiger kann eine Tee-Uhr* hilfreich sein, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Denn meistens hat der erste Aufguss nur eine kurze Ziehzeit von 15 bis 30 Sekunden. Geübte Teetrinker können den Deckel leicht geneigt auf den Gaiwan legen, so dass der Tee am Rand zu sehen ist. Anhand der Farbe des Tees kann man auch den idealen Zeitpunkt zum Servieren erkennen.

Schritt 8:
Tee servieren:
  • Gieß den Tee durch ein Sieb in den Servierkrug. Aus dem Krug servierst du den Tee dann in die Teeschälchen. So stellst du sicher, dass jedes Schälchen geschmacklich identisch ist und auch eine gleichmäßige Temperatur hat.  
  • Alternativ kannst du den Tee auch direkt aus dem Gaiwan servieren, allerdings sollte man die Teeschälchen hierbei nicht nacheinander voll gießen, sondern die verschiedenen „Level“ im Gaiwan auf die Schälchen aufteilen (bei der Alternative bitte erst Schritt 9 ausführen und Schritt 10 beachten). 

Schritt 9:
Nimm die Teeschälchen mit (oder auch ohne) Teezange und entsorge das „Abwasser“ aus dem ersten Aufguss.

Schritt 10:
Gieß den Tee nur bis zu 2/3 des Fassungsvermögens der Schälchen ein, damit es nicht zu heiß für die Finger und Lippen wird.

Schritt 11:
Nimm die Schälchen mit oder ohne Teezange hoch, trockne den Boden auf dem Teetuch ab, bevor du sie auf eine Untertasse stellst, um sie den Gästen zu überreichen.

Schritt 12:
Die Verkostung des Tees erfolgt jetzt in drei Schritten:

  1. Bewundere die Farbe und das Aroma des Tees.
  2. Schlürfe den Tee und konzentriere dich auf den Geschmack und Körper des Tees.
  3. Riech den inneren Boden des Schälchens, welcher wunderbar Rückstande des Teearomas bietet. (Es funktioniert genauso wie bei einem Riechbecher.)
Für weitere Aufgüsse:
  • Benutzt man normalerweise einen zweiten Wasserkocher, um das Wasser wieder auf die gewünschte Temperatur zu bringen.
  • Variiere Temperatur und Ziehzeit je nach Teesorte. Z.B. 15 bis 30 Sekunden zusätzliche Ziehzeit für jeden weiteren Aufguss. Experimentiere mit der Temperatur für verschiedene Tees.

Mit der Teekanne folgst du grundsätzlich der gleichen Prozedur wie oben beschrieben. Außer im Schritt 9: Hier wird das „Abwasser“ des ersten Aufgusses über die Teekanne gegossen, um die Temperatur zu halten und die Kanne von außen zu pflegen.

Warum sind die Teeschälchen so klein?

Teeschälchen

Chinesische Teeschälchen sind klein. Für Menschen, welche noch nie eine authentische chinesische Tee-Zeremonie erlebt haben, kann es sehr schwer vorstellbar und nachvollziehbar sein, warum unsere Teeschälchen so klein sein “müssen”.

Bei einer Teezeremonie wird Tee nicht einfach nur serviert. Viel wichtiger ist, wie man den Tee wertschätzt, wie er aussieht, duftet und schmeckt, wenn er mit verschiedenen Temperatur-Ziehzeit-Kombinationen sowie den verschiedene Brüh-Techniken zubereitet wird.

Geschmack und Geruch des Tees variieren mit der Temperatur und Ziehzeit und ändern sich mit jedem Aufguss. Während der Zeremonie versucht man alle diese kleine Veränderungen mit allen Sinnen zu erfassen. Daher bereiten wir den Tee immer frisch zu, statt die Servier-Kanne auf das Stövchen zu stellen. Denn jeder Schluck Tee sollte die optimale Temperatur und das beste Aroma haben. So kann der Tee seine beste und wahrste Seite zeigen.

Es gibt auch eine kulturelle Erklärung: Das chinesische Schriftzeichen für die Verkostung und Beurteilung ist: 品. Ein sehr einfaches Wort mit drei "口", welches "Mund" oder “Schluck” bedeutet. Deshalb trinken wir den Tee in drei Schlückchen. Der erste Schluck dient dazu, den Gaumen vorzubereiten, der zweite Schluck, um zu schmecken, genießen und wertzuschätzen, schließlich leeren Sie die Tasse mit dem dritten und letzten Schluck. Und man darf nicht vergessen, den Geruch des Tees zu genießen, welcher am Boden der Tasse verweilt.

[Anmerkung der Redaktion: Wenn du jetzt Lust bekommen hast, die chinesische Teezeremonie auszuprobieren, dann findest du jede Menge schönes Zubehör sowie Tee-Seminare im Online-Shop von Kwok Ying von Beuningen: www.diekunstdestees.de - Weiterführende Informationen in Buchform findest du hier: Sandy Taikyu Kuhn Shimu, “Mit Buddha Tee trinken – Eine Einführung in die chinesische Teezeremonie”*]

Samstag, 19. November 2011

Verkostungsnotiz Tongqinghao Pu’er-Tee

Mit Pu’er (auch Pu Erh oder Pu Er geschrieben) hatte ich bisher immer so meine Probleme. Diese oft als Teefladen verkaufte Teesorte ist ein durch spezielle Lagerung gereifter Tee, der aus den recht großen Blättern einer oft noch wild wachsenden Teestrauch-Art hergestellt wird.

Nach der Ernte werden die Teeblätter zu Teefladen oder Teekuchen gepresst und mehrere Jahre gelagert, wobei der Tee in dieser Zeit nachfermentiert und langsam “reift”. Entstanden ist diese Art der Verarbeitung eigentlich aus praktischen Gründen, weil der Tee in der kompakt gepressten Form leichter über die Teehandelsrouten zu transportieren war. Auf diesem langen, mühsamen Transport über die Teestraße reifte der Tee und bekam sein einzigartiges Aroma.

Tongqinghao-Pu-Erh

Gerade bei Pu’er ist die Kunst der Teemeister gefragt, die seine Fermentation durch Kontakt mit Luft und Feuchtigkeit steuern müssen, so dass der Tee reift, aber nicht verschimmelt. Da dies sehr zeitaufwändig ist, gibt es heute auch Produktionsmethoden, bei denen dieser Reifungsprozess künstlich beschleunigt wird.

Pu’er-Tee bekommt durch den Reifungsprozess einen erdigen, sehr charakteristischen Geschmack – kann allerdings durch falsche Lagerung auch schnell verderben. Dann schmeckt der Tee nur noch “schimmlig” und ist ungenießbar. Gerade diese “Schimmel-Note” ist mir bei vielen Pu-Erh-Tees unangenehm aufgefallen, die ich bisher probiert habe. Ausnahmen waren ein sehr junger, frischer, grüner Pu-Erh-Teefladen und eben der Tongqinghao Pu’er (Jahrgang 2006), den ich vor kurzem als Teeproben aus China erhalten habe. Oft stand ich mit meiner Kritik und meinen Zweifeln allerdings ziemlich allein da. Darum vergleiche ich Pu’er gerne mit Blauschimmelkäse und Harzer Roller – auch hier gibt es meist nur zwei Reaktionen: Begeisterung oder strikte Ablehnung.

Aber zurück zu meiner Verkostung: Nachdem ich den kleinen, gepressten “Teeziegel” zunächst mit kochendem Wasser “geweckt” habe (also mit kochendem Wasser übergießen, kurz ziehen lassen, dann diesen Aufguss wegschütten), durfte der Tee im ersten Aufguss nach chinesischer Tradition zunächst knapp 30 Sekunden ziehen. Schon hier zeigten sich dezente Fruchtnoten von getrockneten Aprikosen und der Teesud hatte eine schöne, hellgoldene Farbe.

Im zweiten Aufguss, der dann etwas länger zog, zeigte sich die Aprikosen-Note noch deutlicher, wobei der Tee eine intensivere, bernstein-goldene Farbe bekam, ohne dabei jedoch bitter zu werden. Der Geschmack blieb angenehm mild, leicht erdig und fruchtig. Und auch im dritten Aufguss ist noch jede Menge Geschmack und Farbkraft zu finden, was für die hohe Qualität dieses Tees spricht.

Der Teeziegel öffnete sich schon im ersten Aufguss wunderschön und gab die ganzen Blätter frei, so wie ich es von gerollten Oolongs kenne, deren kleine Kügelchen sich im Wasser wieder zu ganzen Teeblättern entfalten.

Das feuchte Blatt des Tongqinghao Pu’er verströmte genau wie der Teesud den Duft nach getrockneter Aprikose und zeigte nur beim allerersten Schnuppern nach dem Heben des Deckels eine ganz schwache Tendenz zu dem bei anderen Pu Erhs erlebten Geruch nach “feuchtem Keller”.

Mir gefällt der Tongqinghao Pu’er ausgesprochen gut. Beim ersten Verkosten Ende Oktober hatte ich eher die erdigen Noten des Aufgusses erlebt, heute treten deutlich die fruchtigen Noten in den Vordergrund. Ich bin gespannt auf weitere Verkostungsdurchgänge – und vor allem auf weitere Jahrgänge und deren Geschmack!

So wie es aussieht, wird Tongqing Tea bald auch direkt in Deutschland eine Bezugsquelle anbieten, so dass es einfacher wird, diesen Tee zu kaufen.

Sonntag, 13. November 2011

Test: Teebereiter Gastroback Gourmet Tea Advanced Automatic

Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit, den Tee-Vollautomaten von Gastroback (international unter der Marke Breville bekannt) testen zu können. Da ich mit dem Gastroback Wasserkocher mit Temperaturvorwahl sehr gute Erfahrungen gemacht habe, war ich gespannt darauf, was dieses Gerät kann.

Lieferumfang und Ausstattung

Geliefert wird der Gastroback Teebereiter mit Wasserkocher-Funktion* gut verpackt in einem stabilen Karton. Enthalten sind eine mehrsprachige, ausführliche Bedienungsanleitung, die Basisstation des Kochers mit beleuchtetem Display, der kabellose Wasserkocher, der separate Deckel, der Filtereinsatz mit Deckel sowie ein Tee-Maßlöffel.

Design und Materialien

Optisch erinnert der Tee-Automat mit seiner Basisstation und dem gebürsteten Edelstahl an den bereits getesteten Gastroback Wasserkocher mit Temperaturvorwahl. Allerdings macht der Glasbehälter aus hitzebeständigem Schott Duran Glas optisch schon etwas her. Der wärmeisolierte Griff am Behälter und die Füllstandanzeige scheinen aus Kunststoff zu bestehen. Der Teefilter-Einsatz ist aus Edelstahl mit einem Kunststoff-Deckel und einen gut greifbaren “Henkel”. Der Kannendeckel ist nicht am Kannenkörper befestigt, sondern wird einfach aufgesteckt. Eine elastische “Gummilippe” sorgt hier für den festen Sitz und die Dichtigkeit, vorne am Deckel ist ein Edelstahlsieb als Kalkfilter integriert.

Handhabung und Bedienbarkeit / Pro und Contra

 

Positive Aspekte

Der Teebereiter wirkt dank viel gebürstetem Edelstahl und hitzebeständigem Glaskannen-Körper gut verarbeitet. Der Griff ist angenehm groß und gut isoliert, so dass man keine heißen Finger bekommt. Die Kanne liegt gut, wenn auch etwas “gewichtig” in der Hand und sitzt fest auf der Basisstation.

Das Wasser wird dank bis zu 2.000 Watt Leistung schnell auf die gewünschte Temperatur gebracht. Im Display wird dabei kontinuierlich angezeigt, welche Temperatur gerade erreicht ist.

Das Teesieb ist ausreichend groß dimensioniert und sitzt stabil in seiner Magnethalterung. Einsetzen und Herausnehmen des Siebs ist gut gelöst: Der Kunststoff-Griff ist oben im Sieb gut erreichbar und das Sieb “schnappt” dank des Magneten beim Einsetzen quasi von selbst ein. Das Herausnehmen ist ebenfalls leichtgängig.

Das Herauf- und Herunterfahren des Siebes in das passend temperierte Waser funktioniert sehr gut und ist optisch ansprechend. Es wird über Magneten bewegt und besitzt daher keine “offene” Mechanik, die sich verhaken oder durch Kalkablagerungen blockieren könnte,

Neben guten Standardvorgaben für Temperatur und Ziehzeit sind auch individuelle Einstellmöglichkeiten vorhanden (in 5-Grad- und 30-Sekunden-Schritten bzw. über Optionen wie milder, mittlerer oder starker Tee). Temperaturvorgaben gibt es für Grüntee, weißen Tee, Schwarztee, Oolong und Kräutertee. Nach dem Aufkochen des Wasser bzw. dem Ende des Ziehvorgangs zeigt eine Zeitangabe im beleuchteten Display, wie lange der Tee schon fertig ist bzw. im Falle des Wasserkochens, wie lange es her ist, dass das Wasser gekocht hat. Die Warmhaltefunktion funktioniert bis zu einer Stunde, auch wenn das dem Tee nicht unbedingt gut tut, weil er sowieso noch nachzieht.

Da zunächst das Wasser auf die gewünschte Temperatur gebracht wird, bevor das Teesieb den Tee in das erhitzte Wasser befördert, wird der Tee durch den beim Kochen entstehenden Wasserdampf schon “aufgeweckt”. Das kann bei dem einen oder anderen Tee durchaus vorteilhaft sein, da sich z.B. manche gerollte Oolongs dabei schon leicht öffnen und dann schneller vom Wasser umspült werden können.

Das Ausgießen des Tees funktioniert gut und spritzfrei. Das Teesieb stört hierbei nicht und sitzt fest in seiner Halterung.

Kritikpunkte

Der Timer: Die zeitversetzte Teezubereitung (z.B. am nächsten Morgen) ist recht umständlich zu programmieren (zumindest, wenn das Gerät nicht dauerhaft am Strom ist): Zunächst wird umständlich wie bei alten Radioweckern die aktuelle Uhrzeit eingestellt (leider nicht als 24-Stunden-Format sondern am/pm). Anschließend wird die Startzeit eingestellt und dann der Timer gestartet. Bequem ist das nicht gerade. Zudem ist die Ziehzeit nur in 30-Sekunden-Schritten, die Temperatur nur in 5-Grad-Schritten einstellbar. Zumindest die Zeiteinstellung würde ich mir etwas flexibler wünschen

Wassermenge: Für die Teezubereitung soll laut Empfehlung des Herstellers 1 bis 1,2 Liter Wasser genommen werden, wer kleinere Mengen machen möchte: Die Minimalbefüllung von 0,5 Litern geht so gerade noch, allerdings ist dann das Sieb nur etwa zur Hälfte ins Wasser eingetaucht, was eventuell bei Früchtetee problematisch sein könnte, weil er dann auf der Wasseroberfläche schwimmt, statt komplett ins Wasser eingetaucht zu werden. Somit ist das Gerät sinnvoll nur für wahre Vieltrinker oder ab zwei bis drei Personen.

Die Reinigung der Glaskanne ist durch die Stange im Kocher-Innenraum etwas fummelig. Bei hartem Wasser sind die Kalkablagerungen am Edelstahlboden durch den Glaskörper direkt zu sehen, was optisch nicht so schön, aber unvermeidbar ist. Gleiches gilt für die bei kalkhaltigem Wasser nicht zu vermeidenden Verfärbungen des Innenraums durch den Tee. Abhilfe schafft da nur gefiltertes Wasser bzw. Reinigung durch zeitweiliges Aufkochen von verdünntem Zitronensaft bzw. Essig. Danach gut ausspülen und die Kanne sollte wieder sauber sein.

Englische Beschriftung: Ein weiteres Manko ist in meinen Augen die englische Beschriftung der Tasten sowie die englische Sprache in den Display-Meldungen. Bei einem hochpreisigen Gerät hätte ich mir hier eine deutsche Ausführung gewünscht.

Lesbarkeit des Displays: Zudem sind einige Meldungen nur erkennbar, wenn man fast senkrecht von oben auf das Display schaut. Steht der Kocher weiter hinten auf der Arbeitsfläche, sieht man die unterste Textzeile gar nicht. Das ist zwar nicht weiter tragisch, aber nicht im Sinne guter Bedienbarkeit.

Lesbarkeit der Füllstandanzeige: Auch die Füllstandanzeige ist optisch schön, aber ungünstig direkt hinter dem Griff platziert. Um sie korrekt ablesen zu können, muss man sich etwas vorbeugen, da man sonst leicht zu viel bzw. zu wenig Wasser einfüllt oder gar nicht erkennen kann, wie viel Wasser schon eingefüllt ist.

Bedienbarkeit: Die vielen Knöpfe auf der Basisstation des Teekochers sind zunächst verwirrend und erfordern ein Studium der Bedienungsanleitung. Die Grundfunktionen erschließen sich zwar schnell und fast intuitiv, aber ich hatte z.B. das Problem, dass das Teesieb während des Brühvorgangs munter rauf und runter fuhr, obwohl der Tee eigentlich durchgängig ziehen sollte. Das ließ sich dann durch einen Druck auf die “Basket”-Taste abstellen, wäre aber beim unbeaufsichtigten Brühvorgang ein starkes Manko gewesen. Hier hat der Teekocher noch nicht die Einfachheit einer Kaffeemaschine erreicht und ist nicht DAU-tauglich. Allerdings muss ich dem Gerät zugutehalten, dass der Vergleich vielleicht unfair ist und eher (auch in Anbetracht des Preises) mit einer Espressomaschine gemacht werden sollte.

Mehrfachaufgüsse: Mehrfachaufgüsse sind etwas umständlich, da man erst abwarten muss, bis der Glaskannenkörper sich wieder abgekühlt hat, bevor man kaltes Wasser nachgießen kann. Füllt man zu früh kaltes Wasser ein, läuft man Gefahr, dass der Glaskörper springt. Zudem sollte der Siebeinsatz entnommen werden, da sich das Eingießen sonst etwas schwierig gestaltet.

Mein Fazit

Der Teebereiter ist ein hübsches, aber auch hochpreisiges Gerät für technikaffine Teeliebhaber. Die Bedienung des Teebereiters ist zwar nicht ganz so einfach wie bei einer Kaffeemaschine, trotzdem können auch unerfahrene Teetrinker bzw. Kaffeetrinker nach kurzer Orientierung mit den wählbaren Vorgaben schnell einen guten Tee zubereiten: Sind erst einmal die Einstellungen Teesorte, Ziehzeit und Stärke des Tees ausgewählt, läuft der Brühvorgang vollautomatisch ab und man kann sich anderen Aufgaben widmen. Sobald der Tee fertig ist, meldet sich der Teebereiter mit einem deutlichen Signalton (mehrfaches, gut vernehmbares Piepsen).

Eine sehr gut passende Zielgruppe sehe ich daher in Büros, wo mit wenig Aufwand guter Tee für Gäste oder die Belegschaft zubereitet werden soll. Hier rechnet sich vermutlich auch die Ausgabe für dieses Gerät sehr bald.

Ein Vorteil ist auch die (leider etwas fummelig geratene) Zeitvorwahl sowie die unbeaufsichtigte Teezubereitung. So kann man sich morgens von frischem Teeduft wecken lassen und muss nicht mehr neidisch den Geschichten der Kaffeetrinker lauschen. Wer möchte, schaltet den Teebereiter einfach vor dem Duschen ein und hat nach dem Duschen den fertigen Tee in der Küche stehen.

Negativ ist für mich, dass mit dem Gastroback Teebereiter immer etwa ein Liter Tee zubereitet werden sollte, da nur dann der Teefilter vollständig ins Wasser eintaucht. Auch wenn man Tee verwendet, der mehrfach aufgebrüht werden kann (Grüntee, Oolong) ist die Handhabung nicht optimal, da man zunächst warten muss, bis Glaskanne und Sieb abgekühlt sind, um dann das Sieb zu entnehmen und Wasser aufzufüllen.

Der klassische Teegenießer allerdings wird nach anfänglicher Faszination vermutlich schnell wieder zu seiner Lieblingskanne und liebgewonnenen Gewohnheiten zurückkehren. Für mich persönlich ist die klassische Methode mit Wasserkocher, Kanne, Sieb und Teatimer einfacher und angenehmer in der Handhabung – und macht mir auch mehr Spaß: Die Wassermenge ist frei wählbar, die Ziehzeit zur Not sekundengenau oder eben “nach Gefühl” auf den Tee abgestimmt, mehrfaches Aufbrühen ist bequemer möglich und auch die Reinigung in der Regel leichter, da zur Not alles in den Geschirrspüler geräumt werden kann. Zudem lässt sich auch eine zum Tee passende Kanne wählen: Ton, Glas, Porzellan, groß oder klein. Und: Geht ein Zubehörteil kaputt, wird es kostengünstig ersetzt. Den Teebereiter müsste ich dann komplett austauschen, was ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor ist.

Wer Lust auf den Gastroback Teebereiter hat, ihn fürs Büro anschaffen oder verschenken möchte, der kann ihn z.B. bei amazon bestellen:

Gastroback Gourmet Tea Advanced Automatic*

Weitere Informationen

Produktvideo:

Hersteller-Produktvideo zum Gastroback Gourmet Tea Advanced Automatic

Herstellerangaben zum Gerät:

  • Automatischer Tee- und Wasserkocher (2 in 1)
  • Auto-Filter Up & Down Funktion: Teefilter wird automatisch abgesenkt und wieder angehoben
  • 24 Stunden Einschalt-Timer (Auto Start)
  • 6 verschiedene Teeprogramme mit jeweils 4 Brühstärken
  • Temperatur und Ziehdauer individuell einstellbar (Custom Funktion)
  • Wassertemperatur variabel einstellbar auf 6 Stufen
  • 1,5 Liter Glasbehälter (SCHOTT DURAN)
  • Tee-Frischeanzeige und Warmhaltefunktion
  • Edelstahl-Teefilter
  • Beleuchtetes LCD Display
  • Schnelles Erhitzen (2.000 Watt Leistung)
  • Maße: B x T x H: 170 x 220 x 260 mm
  • Leistung: 230/240 V - 50 Hz, 1.850-2.000Watt
  • Gewicht: 2,4 kg
  • Artikelnummer 42439

Weitere Informationen und die Bedienungsanleitung als PDF-Datei gibt es auf der Produktseite bei Gastroback.

Bestellen bei amazon:
Gastroback Gourmet Tea Advanced Automatic*

Sonntag, 30. Oktober 2011

Tee-Zeit im goldenen Herbst

Die Sonne strahlt warm vom tiefblauen Herbsthimmel. Das raschelnde Laub leuchtet wie ein Regenbogen, der sich – des Sommers müde – über die Erde gelegt hat. Die Bäume werfen lange Schatten über den Weg. Die Luft duftet mild-würzig. Eine Spitzmaus versteckt sich flink im Unterholz, während eine einsame Gans mir misstrauische Blicke zuwirft. Das ist der Herbst, wie ich ihn liebe. Die Welt kommt zur Ruhe. Zeit für eine Tasse Tee.

Tee-Zeit im goldenen Herbst

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